Wer bislang bei Mediamarkt oder Saturn einkaufte, traf auf deutsche Markenelektronik mit Schnäppchencharakter. Nun könnte chinesische Logistikkraft dazukommen. JD.com, der zweitgrößte Onlinehändler Chinas, verhandelt offiziell über eine Übernahme des Unternehmens hinter den deutschen Elektromärkten. Dabei zielt der chinesische Milliardenkonzern auf weit mehr als nur Regalfläche in Deutschland.
Ceconomy, die Muttergesellschaft von Mediamarkt und Saturn, hat die Gespräche inzwischen bestätigt. JD prüft ein Übernahmeangebot in Höhe von 4,60 Euro pro Aktie, was einem Aufpreis von rund 23 Prozent gegenüber dem jüngsten Börsenkurs entspricht. Die Bewertung des Unternehmens läge damit bei 2,2 Milliarden Euro. Noch gibt es kein bindendes Angebot, doch die Verhandlungen gelten als weit fortgeschritten. Nach Bekanntwerden der Gespräche legte die Ceconomy-Aktie deutlich zu und erreichte zwischenzeitlich den höchsten Stand seit fast zwei Jahren. Für JD.com wäre es der Einstieg in den europäischen Einzelhandel, sowohl im Internet als auch in den Innenstädten. Für Ceconomy geht es um mehr. Mit JD käme nicht nur zusätzliches Kapital, sondern auch ein strategischer Partner mit eigener Logistik, digitaler Infrastruktur und Erfahrung im Plattformgeschäft.
JD.com ist nach Alibaba der zweitgrößte Onlinehändler Chinas. Im Unterschied zu vielen chinesischen Plattformkonkurrenten betreibt das Unternehmen eigene Lager, Lieferflotten und eine flächendeckende Logistik. In China gilt JD als Symbol für schnelle Zustellung und geprüfte Originalware. Doch der heimische Markt verliert an Dynamik. Die Konsumlaune bleibt gedämpft, zahlreiche Unternehmen unterbieten sich seit Monaten im gegenseitigen Preiskampf und drücken so die Profite massiv. JD setzt deshalb nun verstärkt auf Expansion ins Ausland.
Deutschland gilt dabei als Schlüsselmarkt. Mit Mediamarkt und Saturn würde JD nicht nur zwei der bekanntesten Einzelhandelsmarken Europas übernehmen, sondern auch unmittelbaren Zugang zu einem dichten Filialnetz, einem etablierten Onlinegeschäft und Millionen Kunden erhalten. Ceconomy ist in vielen europäischen Ländern vertreten, bleibt aber stark vom deutschen Markt abhängig. Für JD ist das ein attraktiver Hebel: Wer hier Fuß fasst, kann von dort aus wachsen. Zudem wäre es der erste große Vorstoß eines chinesischen E-Commerce-Konzerns in den stationären Handel Europas. Ein Schritt, der weit über ein klassisches Investment hinausginge.
2024 waren Übernahmeverhandlungen von JD.com mit dem britischen Elektronikhändler Currys gescheitert
Was JD.com mit Mediamarkt und Saturn vorhätte, ist allerdings noch unklar. Doch sollte der Deal zustande kommen, dürfte sich einiges verschieben. JD steht für Tempo, Plattformlogik und Direktvertrieb. Einkauf, Logistik und Onlinegeschäft könnten neu aufgestellt, das Sortiment internationaler werden. Für Kunden wären breitere Auswahl und sinkende Preise denkbar. Für Lieferanten und Beschäftigte wüchse durch Direktimporte und Effizienzprogramme, für die JD bekannt ist, womöglich aber der Druck.
Ganz neu ist das chinesische Interesse an Mediamarkt und Saturn nicht. Bereits Ende 2023 kursierten erste Spekulationen über Gespräche zwischen JD.com und Ceconomy, konkrete Schritte blieben damals aber aus. Im Frühjahr 2025 tauchte das Thema erneut auf, begleitet von Berichten über vertrauliche Kontaktaufnahmen JDs zu Großaktionären. Nun ist das Vorhaben erstmals offiziell. Ob JD letztlich das gesamte Unternehmen übernimmt oder sich mit einer Beteiligung begnügt, ist offen. Möglich wäre auch ein schrittweiser Einstieg über einzelne Aktienpakete von institutionellen Investoren.
Doch auch ein Scheitern der Gespräche ist denkbar. Bereits 2024 hatte JD.com Übernahmeverhandlungen mit dem britischen Elektronikhändler Currys geführt, am Ende kam kein Deal zustande. Auch damals war der Zugang zum europäischen Markt das zentrale Motiv, letztlich scheiterte das Vorhaben an unterschiedlichen Preisvorstellungen und strategischen Vorbehalten. Im Fall Ceconomy ist nun die Haltung der Großaktionäre, insbesondere der Familie Kellerhals und der Duisburger Unternehmerfamilie Haniel, ausschlaggebend. Sie müssen entscheiden, ob eine der bekanntesten deutschen Handelsmarken künftig unter chinesischer Regie geführt wird.

