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Handelsstreit:China will US-Produkte für 70 Milliarden Dollar kaufen

Stahlarbeiter im chinesischen Zhangjiagang - im Handelsstreit mit den USA um Strafzölle ist China um Deeskalation bemüht.

Arbeiter einer Stahlverarbeitungsfirma in Zhangjiagang, China.

(Foto: REUTERS)

Das Land hofft offenbar, die Strafzölle auf chinesische Produkte so doch noch verhindern zu können. Mexiko hingegen geht auf Konfrontation zu den USA.

Um die USA doch noch von den angedrohten Strafzöllen abzubringen, hat China offenbar ein Angebot zum Kauf von US-Gütern im Wert von etwa 70 Milliarden Dollar vorgelegt. Das berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Kreise. Demnach habe der chinesische Wirtschaftsberater Liu He das Angebot bei der letzten Verhandlungsrunde mit der US-Seite in Peking vorgelegt, die jedoch zunächst ohne Ergebnis blieb.

China will demzufolge US-Produkte aus den Bereichen Landwirtschaft, Produktionstechnik und Energie kaufen. Das amerikanische Handelsministerium und das Büro des US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer äußerten sich zunächst nicht zu dem Bericht.

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US-Präsidenten Donald Trump stört sich nach wie vor am hohen Handelsdefizit seines Landes mit China. Es betrug im vergangenen Jahr nach US-Angaben kanpp 375 Milliarden Dollar. Im März drohte Trump China erstmals Strafzölle an - es folgten eine Ankündigung von Vergeltungszöllen und wechselseitige Verschärfungen der Drohungen. Eine endgültige Liste mit Produkten, die mit Strafzöllen von 25 Prozent belegt werden sollen, will Trump am 15. Juni veröffentlichen, sofern nicht doch noch eine Einigung erzielt wird.

Zuletzt waren beide Länder um Entspannung bemüht. China zeigte sich unter anderem bereit, mehr Waren aus den USA einzuführen. Das neue Angebot zum Kauf von US-Waren würde eine Steigerung von US-Exporten nach China um 53,8 Prozent im Vergleich zu 2017 bedeuten.

Mexiko schlägt im Zollstreit zurück

Vom Nachbarland Mexiko hingegen kommen weniger sanfte Töne. Das Wirtschaftsministerium des Landes hat am Dienstag eine Liste mit neuen Abgaben auf Metall- und Agrarprodukte aus den USA veröffentlicht. Demnach werden auf US-Stahlerzeugnisse künftig Zölle von 25 Prozent erhoben. Für die Einfuhr von Schweinefleisch, Äpfeln und Kartoffeln soll die Rate 20 Prozent betragen, für bestimmte Sorten von Käse und Bourbon-Whiskey 20 bis 25 Prozent.

Die Zölle sind eine Reaktion auf die seit Monatsbeginn auch für die Nafta-Partner Mexiko und Kanada sowie für die EU geltenden US-Zölle auf Stahl (25 Prozent) und Aluminium (zehn Prozent). Kanada und die Europäer haben bereits Schutzmaßnahmen für heimische Firmen angekündigt. Genau wie Mexiko plant auch die EU Vergeltungszölle gegen die USA. Dafür wurde bereits eine Liste mit Produkten von Erdnussbutter bis hin zu Motorrädern präsentiert.

Die Schweinefleisch-Zölle Mexikos sollen nach Auskunft von Branchenvertretern bereits an diesem Mittwoch in Kraft treten. Sie könnten Experten zufolge die ohnehin sehr mühsamen Gespräche zur Überarbeitung des nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta zwischen den USA, Mexiko und Kanada erschweren. Die Befürchtung, US-Präsident Trump könne den Schritt der Mexikaner als Rechtfertigung für einen Ausstieg aus dem Vertrag nutzen, setzte auch den Peso unter Druck, der zum Dollar deutlich nachgab.

© SZ.de/afp/rtr/vit
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