China gegen Starbucks Shitstorm aus Milchschaum

Der chinesische Staatssender wettert gegen Starbucks. Der Kaffee sei im Land übermäßig teuer. Tausende Chinesen reagieren darauf. Allerdings halten sie überteuerten Latte für das geringste Problem im Land.

Von Nakissa Salavati

Starbucks macht die Chinesen zu Kaffetrinkern. Im Land der Teekultur verkauft die amerikanische Coffeeshop-Kette massenweise Getränke wie "Caffè Latte" oder "Salted Caramel Mocca". Schon im kommenden Jahr, schätzt das Unternehmen, könnte China zweiwichtigster Markt nach den USA werden. Bereits jetzt betreibt Starbucks 1000 Filialen in mehr als 60 Städten - 2012 waren es noch weniger als 600. Nun hat sich aus der neuen Kaffeelust der Chinesen eine Debatte über soziale Missstände in China entwickelt.

Es fing damit an, dass der staatliche Sender CCTV gegen Starbucks stänkerte: Der Kaffee der Kette sei in China übermäßig teuer. Ein großer "Caffè Latte" koste in Peking umgerechnet 4,42 US-Dollar, in London knappe vier Dollar, in Mumbai 2,40 Dollar. Starbucks belaste die Chinesen übermäßig und treibe so seine Gewinnmarge in die Höhe, kritisierte CCTV.

Starbucks wehrt sich: Jede Filiale habe eigene Preise, abhängig von Infrastruktur und Kosten - und die stiegen in China, etwa für Milch und Mieten. Auch für Personalschulungen müsste wesentlich mehr Geld ausgegeben werden. Der Latte-Index des Wallstreet Journal zeigt, dass der Preis für einen Starbucks-Latte davon abhängt, wie stark oder schwach eine Währung ist. Demnach war in Moskau oder Zürich im Februar 2013 ein Becher Kaffee deutlich teurer als in Peking.

Die Kritik des Staatssenders jedenfalls schlägt bei den Chinesen ein. Allerdings anders als es sich die Regierung wohl erwünscht hatte. Die Empörung wendet sich nämlich nicht gegen angebliche Ausbeutung durch die Amerikaner, sondern gegen die Mächtigen im eigenen Land. Der Tenor: Es gibt Schlimmeres als teuren Latte.

Hohe Mieten, staatliche Willkür

Mit zehntausenden Kommentaren reagierten Chinesen auf eine Nachricht von CCTV auf Weibo, der chinesischen Version von Twitter. Sie beschweren sie sich vor allem darüber, dass der Staatsender wichtige soziale Probleme wie hohe Mieten, fehlende Gesundheitsversorgung, staatliche Willkür und Korruption ignoriere.

Die Zeitschrift Foreign Policy etwa zitiert einen Weibo-Nutzer mit den Worten: "Warum diskutiert CCTV nicht, ob es illegal ist, wenn Häuser von Bürgern zwangsweise abgerissen und Grundstücke enteignet werden?". Ein anderer schrieb demnach: "Ich bin nicht gezwungen, Kaffee zu trinken. Eine Wohnung brauche ich aber schon." Bloomberg zititert einen Nutzer, der den Sender direkt anklagt: "CCTV, können wir über die Lebenshaltungskosten in China sprechen bevor wir über teuren Kaffee diskutieren?"

Starbucks kommt die unverhoffte Wendung der Kritik wahrscheinlich gelegen. Allerdings ging es dem Unternehmen Apple in China einmal ganz ähnlich: Im März 2013 kritisierte CCTV den Konzern für seinen mangelnden Kundenservice - und auch damals gaben Tausende Chinesen CCTV Kontra. Wenig später entschuldigte sich Apple trotzdem wortreich in einem Brief.