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Chemiekonzern:Evonik-Börsengang steht vor dem Scheitern

Etwa fünf Milliarden Euro Erlös sind angepeilt. Der Börsengang des Chemiekonzerns Evonik wäre eine der größten Erstemissionen der vergangenen Jahre. Doch nun wollen die Anteilseigner das Projekt vorerst stoppen: Zu groß ist das Risiko an den Finanzmärkten.

Die Pläne für den milliardenschweren Börsengang des Chemieriesen Evonik stehen Insidern zufolge vor dem endgültigen Aus. In den Gesprächen der Banken mit Investoren sei die angestrebte Mindestbewertung für den Gesamtkonzern von 15 Milliarden Euro bislang deutlich verfehlt worden, hieß es aus Kreisen der RAG-Stiftung, die knapp 75 Prozent der Anteile an Evonik hält.

Die Bewertung liege derzeit eher bei zwölf Milliarden Euro, hieß es. Damit würden die Evonik-Eigner - neben der RAG-Stiftung ist dies der Finanzinvestor CVC - bei einem Börsengang nicht genug Geld erlösen.

Eigentlich hätte die Aktie nach unbestätigten Berichten Ende Juni zum ersten Mal gehandelt werden sollen. Dieser Termin wird sich aller Voraussicht nach verzögern. Die Banken hätten nun noch eine "Galgenfrist" bis zum Freitag dieser Woche, um die Investoren von der Werthaltigkeit Evoniks zu überzeugen, hieß es weiter. In einer Woche wolle das Kuratorium dann erneut über die Börsenpläne beraten und dabei die Entwicklung an den Börsen "sehr aufmerksam" beobachten.

Das Kuratorium der RAG-Stiftung ist stark politisch beeinflusst. Mitglieder sind unter anderem die Bundesminister Philipp Rösler (FDP/Wirtschaft) und Wolfgang Schäuble (CDU/Finanzen) sowie die Ministerpräsidentinnen von NRW und des Saarlandes, Hannelore Kraft (SPD) und Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU).

Ein Sprecher der RAG-Stiftung wollte die Angaben nicht kommentieren. "Die Entwicklung auf den Finanzmärkten seit Ende Mai bewirkt eine zunehmende Unsicherheit, ob Erlöse erreichbar sind, die dem Wert der Evonik gerecht werden", hatte die RAG-Stiftung zuvor in einer Mitteilung erklärt. "Eine angemessene Bewertung der Evonik und Transaktionssicherheit sind Voraussetzungen für den Börsengang", betonte die Stiftung. Andernfalls "wird der IPO (Initial Public Offering) der Evonik abgebrochen".

Schon zwei Mal verschoben

Der Evonik-IPO wäre bei dem kolportierten Umfang von einem Drittel der Anteile und etwa fünf Milliarden Euro angepeiltem Erlös der größte deutsche Börsengang seit über zehn Jahren. Aus Finanzkreisen waren in den vergangenen Wochen angesichts der angespannten Märkte aber wiederholt Zweifel an einer entsprechend hohen Bewertung geäußert worden. Wegen der Finanzkrise hatte der Konzern den Handelsstart bereits zwei Mal verschoben.

Die Erlöse des Evonik-Börsengangs sollen im wesentlichen nicht in das Unternehmen fließen, sondern zur Abdeckung der sogenannten Ewigkeitslasten des deutschen Steinkohle-Bergbaus genutzt werden. Dazu zählt das dauerhafte Abpumpen von Wasser in den ehemaligen Abbaugebieten. Bleiben die Einnahmen hinter den Erwartungen zurück, müsste der Staat Steuergeld nachschießen.

© Reuters/olkl/beitz

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