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Chemieindustrie:BASF streicht in Ludwigshafen

BASF hofft auf G20-Gipfel - Handelskonflikt hinterlässt Spuren

Mehr Umsatz, aber weniger Gewinn: BASF, eines der größten Unternehmen in Deutschland, will gegensteuern und "schlanker" werden.

(Foto: dpa)

Sparen, sparen: Der Konzern will 6000 Stellen abbauen, die Hälfte in Deutschland, überwiegend am Hauptstandort.

Der Dax-Konzern BASF will im Zuge seiner Neuausrichtung bis Ende 2021 weltweit 6000 Stellen abbauen. Das teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Nach Angaben eines Sprecher entfalle etwa die Hälfte des Abbaus, also 3000 Jobs, auf Deutschland und "der überwiegende Teil" auf den größten Standort Ludwigshafen. Der Konzern rechnet dadurch mit Einsparungen von 300 Millionen Euro.

Der Stellenabbau ist Teil des im November vergangenen Jahres angekündigten "Exzellenzprogramms", das von Ende 2021 an jährlich einen Ergebnisbeitrag von zwei Milliarden Euro liefern soll. Nach und nach werden immer mehr Einzelheiten bekannt. Schon vor Monaten hat Vorstandschef Martin Brudermüller 2019 zum "Jahr des Übergangs" und zum "Jahr der Erneuerung" ausgerufen. Er drängelt. Brudermüller, seit gut einem Jahr im Amt, will Prozesse und Strukturen "verschlanken", wie es im Firmenjargon heißt. Er strebt eine größere Nähe zum Kunden an. In der Produktion und in der Digitalisierung will BASF "abhängig" vom künftigen Wachstum Stellen aufbauen. Ende März 2019 beschäftigte der Konzern weltweit gut 121 000 Mitarbeiter, davon knapp 56 000 in Deutschland, allein in Ludwigshafen sind es etwa 35 000.

Der Abbau trifft den wichtigsten Standort also besonders hart.

Kritik kam vom Betriebsrat. Die Arbeitnehmervertretung könne es nicht nachvollziehen, welche Arbeit wegfallen solle, sagte Betriebsratschef und stellvertretender BASF-Aufsichtsratschef Sinischa Horvat zu Reuters. "Solange das nicht nachgewiesen wird, bestehen wir auf Wiederbesetzung frei werdender Stellen." Von der Höhe des geplanten Stellenabbaus sei der Betriebsrat überrascht.

Das Management unter Brudermüller steht unter Druck. Zwar konnte der Konzern im vergangenen Geschäftsjahr den Umsatz um 2,4 Prozent auf 62,7 Milliarden Euro steigern, aber das Ergebnis brach um ein Fünftel auf rund sechs Milliarden Euro ein. Auch das erste Quartal lief schlecht. Auf der Hauptversammlung Anfang Mai hatten Aktionäre kritisiert, BASF habe ein Wachstums- und Gewinnproblem.

Brudermüller muss in einem sich verschlechternden konjunkturellen Umfeld handeln. Ihm schwebt eine "neue BASF" vor, die "effizienter und effektiver" arbeitet. "Die Kunden sollen BASF neu erleben", lässt sich Brudermüller zitieren. Der Vorstandschef hat es offenbar sehr eilig. Mit den Vertretern der Arbeitnehmer sei vereinbart worden, die Verhandlungen über eine neue Standortvereinbarung für BASF vorzuziehen. Die aktuelle läuft bis Ende 2020. Die Betriebsvereinbarung schützt vor betriebsbedingten Kündigungen am Standort Ludwigshafen. Steuerungsaufgaben und Dienstleistungen sollen künftig strikt getrennt werden. Ein "Corporate Center" mit voraussichtlich weniger als tausend Mitarbeitern, soll den Vorstand unterstützen. Schon zu Jahresbeginn hatte der Konzern die zwölf Unternehmensbereiche in sechs statt bisher fünf Segmente sortiert. Die Rolle der Regionen und Länder werde gestärkt. "Wir werden uns beim Aufbau der neuen Organisation darauf konzentrieren, konsequent Synergien zu heben, Schnittstellen zu reduzieren und mehr Flexibilität und Kreativität zu ermöglichen", so Brudermüller. Der Aktienkurs des Chemiekonzerns reagierte leicht positiv und schloss mit 1,6 Prozent im Plus.

© SZ vom 28.06.2019 / Elisabeth Dostert

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