bedeckt München -1°

Chemieindustrie:BASF baut deutlich mehr Stellen ab 

Chemiekonzern BASF

BASF in Ludwigshafen. In der Stadt hat der Chemie-Konzern nicht nur seinen Firmensitz, dort wird kräftig produziert.

(Foto: Uwe Anspach/dpa)

2000 Job sollen wegfallen. Ein Verlust ist unausweichlich.

Von Elisabeth Dostert

Der Chemie-Konzern BASF streicht deutlich mehr Stellen als bisher veröffentlicht. Bis Ende 2022 sollen in der Einheit Global Business Services 2000 Stellen wegfallen, kündigte das Unternehmen am Mittwoch an. Das wäre fast ein Viertel der erst Anfang des Jahres mit 8400 Beschäftigten gegründeten Einheit, die Konzern-übergreifende Dienstleistungen etwa in Logistik und Kommunikation erbringt. Dieser Stellenabbau ist nicht Teil des im Herbst 2018 aufgelegten Sparprogramms, das BASF selbst als "Exzellenzprogramm" bezeichnet. Es sah zuletzt den Abbau von 6000 Stellen bis Ende 2020 vor. Auch dieser Abbau verzögert sich. Zehn Prozent würden sich wegen der Pandemie bis ins Jahr 2021 hinziehen, erläuterte Finanzvorstand Hans-Ulrich Engel in einer Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen.

Die Geschäfte des Konzerns liefen im dritten Quartal besser als in den Vormonaten. Die Unsicherheit bleibt aber wegen der Pandemie und den nun wieder steigenden Infektionszahlen groß. "Die Kunden sind vorsichtig. Sie bestellen kurzfristiger und geringere Mengen", sagt Vorstandschef Martin Brudermüller. Es gibt ein paar Lichtblicke. Nach deutlichen Rückgängen in den vergangenen Monaten, legte der Umsatz mit der Autoindustrie im Vergleich zum Vorjahresmonat um sechs Prozent zu. BASF macht ein Fünftel seines Umsatzes in dieser Branche. Und in China liegen die Erlöse schon seit einigen Monaten wieder über dem Vorjahreszeitraum 2019.

Aber das alles wird nicht reichen. BASF wird das Geschäftsjahr 2020 mit einem Verlust abschließen. In den ersten drei Quartalen 2020 lag das Ergebnis nach Steuern vor allem aufgrund massiver Wertberichtigungen bei minus 2,1 Milliarden Euro. Den Verlust auszugleichen, werde im vierten Quartal nicht gelingen, sagte Engel. Brudermüller schließt eine Anpassung der Dividende nicht aus, nicht allein wegen des Jahres 2020, sondern auch mit Blick auf die künftige Entwicklung. Darüber werde der Konzern im Februar entscheiden.

Erste Zahlen für die ersten drei Quartale und eine Prognose für das Gesamtjahr hatte der Konzern schon am 9. Oktober veröffentlicht und am Mittwoch bestätigt. Er peilt einem Umsatz von 57 bis 58 Milliarden Euro an, 2019 lag der Umsatz bei gut 59 Milliarden Euro. Vor Sondereinflüssen werde das operative Ergebnis zwischen drei und 3,3 Milliarden Euro liegen, nach gut 4,6 Milliarden Euro 2019.

Die steigenden Infektionszahlen spürt auch BASF in der Belegschaft und schickt wieder mehr Mitarbeiter ins Home-Office. "Das Umschalten auf den Vorsicht-Modus klappt bei uns sehr gut", sagte Brudermüller. Bislang haben sich ihm zufolge rund 1740 Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert, 80 Prozent der Infizierten seien wieder "gesund und zurück".

© SZ vom 29.10.2020
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema