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Chemiebranche:Bayer leiht sich sechs Milliarden Euro

Bayer AG - Jahreszahlen

Chemiefabrik in Leverkusen: Bayer will gut neun Milliarden Euro zahlen, um viele Klagen gegen die US-Tochter Monsanto beilegen zu können.

(Foto: Oliver Berg/dpa)

Nach dem Glyphosat-Vergleich besorgt sich der Konzern das nötige Geld.

Wenige Tage sind vergangen, seit Bayer Tausende Klagen gegen die Tochterfirma Monsanto mit einem milliardenschweren Vergleich beigelegt hat. Nun hat sich der Konzern das nötige Geld geliehen. Bayer habe Anleihen im Wert von sechs Milliarden Euro ausgegeben, teilt das Pharma- und Chemieunternehmen mit. Die Schuldscheine haben unterschiedliche Laufzeiten von vier bis zwölf Jahren. Bayer profitiert dabei von den allgemein niedrigen Zinsen: Die Leverkusener müssen für die neuen Anleihen 0,375 bis 1,375 Prozent Zinsen pro Jahr bezahlen. Gleichwohl sei die Emission mehrfach überzeichnet gewesen, teilt Bayer mit; Investoren hatten also offensichtlich hohes Interesse. Privatleute waren bei der Platzierung außen vor, sie richtete sich nur an Investmentfirmen.

Hintergrund der Emission: Zehntausende Menschen haben die Tochter Monsanto in den USA verklagt, weil sie Unkrautvernichtungsmittel mit dem Wirkstoff Glyphosat für Krebserkrankungen verantwortlich machen. Bayer weist die Vorwürfe zurück, hält die Chemikalien bei sachgerechter Anwendung für sicher und beruft sich dabei auf mehrere Studien. Dennoch hat der Konzern drei Prozesse in erster Instanz verloren. Vorige Woche haben sich die Leverkusener denn mit einem Großteil der Kläger geeinigt. Die Vergleiche sollen gut neun Milliarden Euro kosten. Einige Börsenanalysten hatten im Vorfeld noch höhere Summen befürchtet.

Mit dem Kompromiss will Bayer etwa 75 Prozent der Auseinandersetzungen abschließen; insgesamt geht es um etwa 125 000 bereits eingereichte und noch nicht eingereichte Klagen. Auch die restlichen Verfahren sollen in den kommenden Monaten zum Abschluss kommen.

Der Dax-Konzern hat sich in den vergangenen Jahren stark spezialisiert: Er lagerte klassische Chemiegeschäfte sowie seine Kunststoffsparte in eigenständige Firmen aus, brachte diese an die Börse und verkaufte nach und nach seine Anteile. Stattdessen hat sich Bayer auf das Geschäft mit Medikamenten und Agrarchemikalien konzentriert. Diese Strategie gipfelte 2018 in der milliardenschweren Übernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto. Doch kaum war die Fusion vollzogen, wurden immer mehr Glyphosat-Klagen gegen Monsanto bekannt. In der Folgezeit brach der Bayer-Aktienkurs von mehr als 100 auf zwischenzeitlich weniger als 50 Euro ein. Mittlerweile kostet ein Anteilsschein wieder gut 66 Euro. Damit ist der Börsenwert der Leverkusener wieder auf dem Niveau von Anfang März angekommen.

Analysten zeigten sich erleichtert ob der Glyphosat-Vergleiche in den USA. Diese seien umfassender als allgemein eingeschätzt, hieß es etwa von der Schweizer Großbank UBS. Fraglich sei freilich, wie teuer die verbleibenden Streitfälle für Bayer noch werden könnten, konstatierte das Analysehaus Warburg.

© SZ vom 03.07.2020 / dpa, ikt
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