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Banken:Vergleich mit Tücken

Mitarbeiter der Unternehmens Check 24 stehen auf der Dachterrasse der Zentrale an der Donnersberger

Check-24-Zentrale in München: Die neue zertifizierte Homepage für Girokonten muss man erst einmal finden.

(Foto: Ralph Peters/imago)

Die erste zertifizierte Vergleichswebsite für Girokonten ist unvollständig - und für Verbraucher nicht leicht zu finden.

Von Felicitas Wilke

Viele Banken haben in diesem Jahr ihre Gebühren erhöht, oft scheibchenweise und versteckt im Kleingedruckten. Um so komplizierter ist es geworden, sich nach einem möglichst günstigen Girokonto umzusehen. Da sollte es eigentlich gelegen kommen, dass Verbraucher in Deutschland seit ein paar Tagen die Konditionen der Banken online vergleichen können - und zwar auf einer unabhängigen, zertifizierten Website, wie es der Gesetzgeber schon länger gefordert hatte. Dieser neue Service ist allerdings nicht ohne Tücken.

Betrieben wird die Homepage vom Vergleichsportal Check 24, geprüft hat sie der TÜV Saarland. Im Unterschied zum konventionellen, bereits bestehenden Girokontenvergleich darf das Suchergebnis bei der neuen Übersicht jedoch nicht von kommerziellen Interessen der Plattformen beeinflusst werden. Ruft man jedoch die Seite von Check 24 auf, entdeckt man in einem sonnengelben Kasten zunächst den konventionellen Vergleich. Erst wenn man mit der Maus über den Schriftzug "Zertifizierter Girokonto- Vergleich" fährt, öffnet sich ein weiteres Fenster mit dem Link zur neuen Website. "Man braucht schon eine gewisse Sachkenntnis, um die richtige Seite zu finden", kritisiert Dorothea Mohn von der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Auf der Seite sind dann in alphabetischer Reihenfolge 551 Girokonten und deren Konditionen gelistet. Die Seite wirkt schnörkellos und ist das Gegenteil von werblich: keine Logos der Banken, keine farblich her-vorgehobenen Suchergebnisse.

Die Nutzer können die Ergebnisliste mit einem Klick umstellen und sie zum Beispiel nach dem niedrigsten Dispozins oder der niedrigsten Kontogebühr zuerst sortieren lassen. Über die Filterfunktion lässt sich auch nach einem inzwischen rar gewordenen kostenlosen Girokonto suchen.

Beim TÜV Saarland zeigt man sich mit dem Ergebnis zufrieden: "Die Zertifizierung eines Vergleichsportals bestätigt Verbrauchern, dass sie sich auf objektive Information verlassen können", sagt Geschäftsführer Thorsten Greiner. Jedoch sind wenige Tage nach dem Start noch Fehler in der Übersicht zu finden: So wird das "Private Banking Konto" bei der Sybank auf der zertifizierten Vergleichswebsite als kostenloses Girokonto "ohne Bedingungen" aufgeführt. Laut den Entgeltinformationen der Bank müssen Kunden jedoch dort mindestens 150 000 Euro anlegen, um das Konto ohne Gebühren zu nutzen. Check 24 hat angekündigt, den Fehler zu korrigieren. Außerdem kritisiert Verbraucherschützerin Mohn, dass die 551 aufgelisteten Girokonten nicht einem "wesentlichen Teil des Marktes" entsprechen, wie es der Gesetzgeber vage vorgibt. So wirbt der Wettbewerber biallo.de für seinen nicht zertifizierten Vergleich damit, rund 5000 Kontomodelle von mehr als 1000 Sparkassen und Banken abzubilden. Im Check-24-Vergleich sind teils nur einzelne Kontomodelle der Banken zu finden. Gerade weil die staatlichen Vorgaben nicht konkret sind, hat der TÜV Saarland eigene Kriterien entwickelt, die sich unter anderem nach der Bilanzsumme und der regionalen Verfügbarkeit richten. Nach Angaben von Check 24 decken die im neuen Vergleich aufgezählten Konten "den Markt nach der Bilanzsumme zu über 80 Prozent ab".

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, die zertifizierte Plattform könne auch über die zertifizierte Vergleichswebsite eine Provision kassieren. Das ist nicht korrekt. Wir haben den Satz gelöscht.

© SZ vom 11.08.2020

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