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Chaos in Griechenland:Jetzt bestreikt der Staat sich selbst

Beamte gegen die Troika: Hunderte Behördenangestellte haben in Athen ihre Ministerien besetzt. Sie wollen die geplanten Sparmaßnahmen verhindern, die die frisch ins Land zurückgekehrte Troika durchsetzen möchte. Aber nicht nur die Beamten sind erbost.

Zur Begrüßung gab's Proteste: Die sogenannte Troika ist in Athen von wütenden Beamten in Empfang genommen worden. Aus Protest gegen bevorstehende Entlassungen blockierten Hunderte die Eingänge fast aller wichtigen Ministerien. "Wir werden zwei Tage hier bleiben", sagte ein Demonstrant vor dem Finanzministerium. Aus den Balkonen und Fenstern hingen Transparente mit Sprüchen wie: "Wenn das Unrecht zum Gesetz wird, ist Widerstand Pflicht." Auch die Taxifahrer streikten den zweiten Tag in Folge. Ärzte in staatlichen Krankenhäusern legten die Arbeit für drei Stunden nieder. Sie behandelten nur Notfälle.

Demostrators burn their tax statement

Brennende Steuerbescheide und blockierte Ministerien: Begleitet von neuen Streiks ist die sogenannte Troika zur Bewertung der Spar- und Reformbemühungen Griechenlands nach Athen zurückgekehrt.

(Foto: dpa)

Durch die Blockaden sollen symbolisch die Kontakte der Troika - also der Finanzkontrolleure von Europäischer Union (EU), Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) - mit der griechischen Regierung behindert werden. Im Mittelpunkt dieserer Gespräche steht der abschließende Haushaltsentwurf für das kommende Jahr. Außerdem soll es um Privatisierungsprogramme und die Umsetzung der Sparziele für die kommenden Jahre gehen.

Athen möchte in den kommenden vier Jahren 28,4 Milliarden Euro einsparen, viele Griechen wollen genau das jedoch verhinder. Schon seit Jahren kämpft etwa die Bewegung "Bezahlt wird nicht" gegen Autobahngebühren. Immer mehr Bürger weigern sich, die bereits beschlossenen Sondersteuern zu zahlen. Die Wut wächst - und Griechenland droht, aus den Fugen zu geraten. Offenbar aus Angst vor weiteren Blockaden wollte das griechische Finanzministerium auch nicht mitteilen, wo das vorgesehene Treffen mit der Troika stattfindet. Nur so viel sickerte durch: dass die Gespräche am Nachmittag beginnen sollten.

Ein Generalstreik ist geplant

Ein positiver Troika-Bericht ist die Voraussetzung dafür, dass Griechenland die nächste Rate aus seinem Programm mit Milliardenkrediten bekommt, ohne die es in wenigen Wochen pleite wäre. Über die Überweisung der Tranche in Höhe von acht Milliarden Euro wollen die Euro-Finanzminister im Oktober entscheiden. Da das erste Rettungspaket nicht ausreicht, soll das Land weitere Hilfen aus dem Euro-Rettungsfonds EFSF erhalten. Athen muss dafür drastisch sparen - Massenentlassungen stehen bevor.

Die Streiks, mit denen sich die Mitarbeiter gegen weitere Gehaltskürzungen und Entlassungen wehrten, sollten bis Freitag andauern, wie der Fernsehsender TV NET berichtete. Für Mitte Oktober ist ein landesweiter Generalstreik der Angestellten des öffentlichen Dienstes geplant.