Chaos am Mainzer Hauptbahnhof Bahn überprüft komplette Personalplanung

Züge fallen aus, Bahn-Angestellte sollen ihren Urlaub abbrechen: Im Chaos um den Mainzer Hauptbahnhof will die Deutsche Bahn jetzt ihre gesamte Personalplanung überprüfen. Mitarbeiter sollen künftig mitentscheiden, wo mehr Kollegen gebraucht werden.

Die Mitarbeiter der Deutschen Bahn sollen bei der Personalplanung künftig ein gewichtiges Wort mitreden und so Engpässe wie am Mainzer Hauptbahnhof verhindern. Das Management wird in den kommenden zwei Monaten zusammen mit Mitarbeitern und Betriebsräten diskutieren, ob in den Betrieben der Bahn mehr Personal nötig ist.

Ein Debakel wie in Mainz, wo der Zugbetrieb wegen Personalmangels im Stellwerk erheblich eingeschränkt ist, solle dadurch nie wieder vorkommen, sagte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber. Auf eine konkrete Zahl an Neueinstellungen legten sich das Bahn-Management bei dem Spitzentreffen mit Vertretern der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) nicht fest. Durch das Einbeziehen der Mitarbeiter werde sichergestellt, dass sich die Personalplanung für 2014 nach dem tatsächlichen Bedarf richte, sagte EVG-Chef Alexander Kirchner.

Die Überprüfungen in den rund 400 Gesellschaften des Bahn-Konzerns würden voraussichtlich bis zum 15. Oktober laufen, sagte Kirchner. Am 4. November finde dann ein neuerliches Treffen zwischen Gewerkschaft, Betriebsrat und Bahn statt, bei dem die Ergebnisse bewertet werden sollen.

Einvernehmliche Einigung

Der Vereinbarung zufolge soll erreicht werden, dass Überstunden abgebaut und Ruhetage gewährleistet bleiben. Auch genehmigte Urlaube sollen der Vereinbarung zufolge garantiert werden. Schichten bei den Bahn-Konzerntöchtern sollen laut Planung besetzt und Ausfälle vermieden werden. EVG-Chef Kirchner sagte, die Vereinbarung zwischen Deutscher Bahn, Betriebsrat und Gewerkschaft sei "einvernehmlich" getroffen worden. Werde diese nicht umgesetzt, werde der Betriebsrat Druck machen. Ein Mittel könne es etwa sein, dem Konzern künftig die Genehmigung von Überstunden zu verweigern.

EVG, Konzernbetriebsrat und Personalverantwortliche der Deutschen Bahn hatten sich in Frankfurt getroffen, um eine Lösung für die Personalprobleme im Konzern zu finden. In den vergangenen Tagen und Wochen hatte sich die Situation am Mainzer Hauptbahnhof wegen Personal-Engpässen im dortigen Stellwerk zugespitzt. Die Bahn hatte eingeräumt, dass auch in anderen Stellwerken die Personal-Situation angespannt ist. Die EVG sieht daneben Personalprobleme bei Lokführern und Zugbegleitern.

In Mainz hat die Bahn Besserung in Aussicht gestellt, regulär werden die Züge aber wohl erst Ende August wieder fahren. Bahnchef Rüdiger Grube bat Mitarbeiter aus dem Stellwerk Mainz persönlich um eine Verschiebung ihres Urlaubs, um die Lage zu entschärfen. Mitarbeiter aus anderen Standorten nach Mainz abzuziehen, sei nicht möglich, unterstrich EVG-Chef Kirchner. "Die Bedingungen sind dort so spezifisch, dass eine gewisse Einarbeitung notwendig ist. Deshalb kann es leider keine kurzfristigen Lösungen für Mainz geben."

In Mainz fallen wegen der Probleme im dortigen Stellwerk derzeit zahlreiche Züge aus, der Regionalverkehr läuft nur eingeschränkt. Fernverkehrszüge wie der ICE werden teils umgeleitet oder halten an anderen Bahnhöfen. Bis Ende des Monats will die Bahn dafür sorgen, dass der Zugverkehr in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt wieder normal läuft.