Ceconomy:Voll erwischt

Ceconomy - Bilanz-Pk Geschäftsjahr 2018/19

Ceconomy-Chef Bernhard Düttmann hatte sich mit dem Coronavirus infiziert, zog aber statt Mitgefühl den Unmut vieler Mitarbeiter auf sich.

(Foto: picture alliance/dpa)

Mediamarkt und Saturn haben zwar wieder geöffnet. Der Mutterkonzern ist aber trotzdem pessimistisch.

Von Michael Kläsgen

Das Coronavirus hat den Mutterkonzern der Elektronikketten Mediamarkt und Saturn besonders hart getroffen. Im Januar und Februar sei das Geschäft noch "solide" gelaufen, sagte Bernhard Düttmann, Chef der Holding Ceconomy, bei der Präsentation der Zahlen für das zweite Quartal am Donnerstag. Dann aber mussten die Filialen von Mediamarkt und Saturn Mitte März in zahlreichen europäischen Ländern und in Deutschland schließen. Ceconomy schreibt daher rote Zahlen.

Der Aktienkurs, obwohl schon auf einem niedrigen Stand, brach am Donnerstag zeitweise um mehr als zwölf Prozent ein und notierte unter zwei Euro pro Aktie und damit nahe am Tiefststand von Ende März. Der Umsatz ist im zweiten Quartal um 7,7 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro gesunken. Der Nettoverlust im zweiten Quartal ist mit 309 Millionen Euro sogar noch höher ausgefallen, als es Analysten erwartet hatten. Der operative Verlust lag bei 131 Millionen Euro. Hinzu kamen jedoch hohe Abschreibungen auf die Beteiligung an dem börsennotierten französischen Elektronikhändler Fnac Darty, der ebenfalls seine Läden schließen musste. Ceconomy war 2017 bei Fnac eingestiegen, als die Aktie bei etwa 70 Euro lag. Zuletzt waren die Papiere noch knapp 25 Euro wert.

Finanzchefin Karin Sonnenmoser schloss einen Verlust beim Ergebnis auch für das Gesamtjahr (bis Ende September) nicht aus. Zu groß seien die Unsicherheiten. Niemand wisse, ob es zu einer zweiten Infektionswelle und folglich zu erneuten Geschäftsschließungen in einzelnen Ländern kommen werde.

Seit wenigen Tagen haben die Läden in zahlreichen europäischen Ländern und überall in Deutschland wieder geöffnet. Teils bilden sich Schlangen vor den Eingängen. Das liege im Wesentlichen aber an den Einlasskontrollen, sagte Düttmann. Er rechnet mit einer anhaltenden Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Positiv entwickelte sich das Onlinegeschäft. Im April seien die Online-Umsätze um 300 Prozent gestiegen. Sie können aber bei Weitem nicht die Rückgänge im stationären Geschäft kompensieren, wenn auch der Trend zum Onlinehandel voraussichtlich andauern werde, sagte Düttmann.

Weil Ceconomy einen Kredit größtenteils von der staatlichen Förderbank KfW in Höhe von 1,7 Milliarden Euro erhalten habe, werde die Holding bis Ende kommenden Jahres keine Dividenden auszahlen, so Düttmann. Dank des Kredits könne das Unternehmen eine mögliche zweite Infektionswelle überstehen. Düttmann war selber mit dem Coronavirus infiziert. Mit dem Satz: "So schlimm, wie allgemein behauptet wird, ist es bei Weitem nicht", hatte er den Unmut vieler Mitarbeiter auf sich gezogen. 20 000 der etwa 24000 Beschäftigten in Deutschland waren in Kurzarbeit.

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