Ceconomy Tief, tiefer, am Boden?

Waschmaschinen bei Saturn: Das Unternehmen befindet sich seit Monaten gewissermaßen im Schleudergang.

(Foto: Guido Krzikowski/Bloomberg)

Die Holding von Media-Markt und Saturn erlebt ein Debakel an der Börse.

Von Michael Kläsgen

Wie konnte alles nur so schief gehen? Liegt es vielleicht auch am Namen? Ceconomy. Das Kunstwort steht für Consumer Electronics Economy. Auf Deutsch: Unterhaltungselektronik. Aber wer soll das verstehen? Und sollte man in etwas investieren, was man nicht versteht? Großinvestor Warren Buffett sagt: nein.

Eben jene Ceconomy-Holding, hinter der sich die Marken Media-Markt und Saturn verbergen, ist nach eigenen Angaben "Europas größter Elektronikhändler". Von ihr spaltete sich im Sommer 2017 der Lebensmittelgroßhändler Metro ab. Heute ist die im Nebenwerte-Index SDax notierte Holding an einem neuen Tiefpunkt angelangt. Der Aktienkurs sank am Tag vor der Bilanzvorlage an diesem Mittwoch zwischenzeitlich auf das bislang niedrigste Niveau überhaupt.

Seit zehn Wochen hat die Holding keinen Chef. Pieter Haas musste aufgrund schlechter Ergebnisse von einem Tag auf den anderen gehen, ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Seit Dienstag gibt es immerhin einen neuen Finanzvorstand - zumindest übergangsweise. Bernhard Düttmann, bislang im Aufsichtsrat des Unternehmens, übernimmt von Januar an interimistisch die Aufgaben des bisherigen Finanzchefs Mark Frese. Wenn Ceconomy einen neuen Finanzvorstand gefunden habe, werde der 59 Jahre alte Düttmann in den Aufsichtsrat zurückkehren. Auch der Dauerstreit mit den Hinterbliebenen des Media-Saturn-Großaktionärs Kellerhals ist noch nicht geschlichtet. An der Börse ist der große Elektronikhändler gegenwärtig nicht einmal mehr 1,3 Milliarden Euro wert. Drei "Gewinnwarnungen" in einem Jahr haben Ceconomy zu einem der größten Börsenverlierer in den vergangenen zwölf Monaten gemacht.

Ob die Aktie noch tiefer sinken kann, wird sich an diesem Mittwoch zeigen. Gegenwärtig stehen viele börsennotierte Einzelhändler unter Druck, vor allem Textilanten, siehe Asos, H&M und Zalando. Ceconomy würde sich daher einen Gefallen tun, wenn es bei der Bilanzvorlage glaubwürdig darlegt, wie es gedenkt, in Zukunft Einnahmen und Gewinne zu generieren. Vor allem in Bezug auf Deutschland, wo das Geschäft zuletzt besonders schlecht lief und etliche Manager ausgetauscht wurden, müsste das Unternehmen etwas sagen.

Wünschenswert aus Anlegersicht wäre ein Hinweis darauf, wie das für Einzelhändler so wichtige Weihnachtsgeschäft bisher lief. Das ist zwar erst im kommenden Jahr vorgesehen, doch eigentlich liegen die Zahlen bereits vor.

Im vergangenen Jahr hatte es Ceconomy fertig gebracht, sich mit zu vielen und zu hohen Online-Rabatten das Weihnachtsgeschäft zu vermasseln. Zumindest das wird das kopflose Unternehmen dieses Jahr vielleicht ausgeschlossen haben.