Ceconomy:Noch schlechter

Media Markt

Media-Markt-Filiale in Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern: Die Geschäfte laufen nicht.

(Foto: Uli Deck/dpa)

Es geht von einem Tief zum nächsten: Die neue Holding von Media-Markt und Saturn muss die Gewinnprognosen ein weiteres Mal reduzieren.

Von Michael Kläsgen

Das erste Geschäftsjahr nach der Trennung vom Großhandelskonzern Metro ist für Ceconomy denkbar schlecht verlaufen. So schlecht, dass es auch für die Holding der Elektroartikelmärkte Mediamarkt und Saturn offenbar völlig überraschend kam. Das Unternehmen gab in der Nacht zum Dienstag per Ad-hoc-Mitteilung eine neue Gewinnwarnung heraus. Die letzte Warnung hatte Ceconomy erst Mitte September veröffentlicht. Aber auch mit der damaligen Prognose lag das Unternehmen falsch, wie sich nun herausstellte.

Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank nach vorläufigen Zahlen bis Ende September (da endete das Geschäftsjahr) um weitere Millionen von 494 auf 400 Millionen Euro. Der Aktienkurs stürzte nach der Veröffentlichung zeitweise um mehr als 20 Prozent auf den bisher niedrigsten Stand und lag weit unter fünf Euro pro Aktie. An der Börse sprachen die Händler von einem Desaster. Bereits Anfang des Jahres hatte Ceconomy nach einem vermasselten Weihnachtsgeschäft die Gewinnprognose reduzieren müssen. Das unternehmen war Anfang des Monats vom M-Dax in den S-Dax abgestiegen.

Manche Analysten wie die von der Commerzbank stellten das Kursziel nun unter Beobachtung. Sie wollten sich vorerst nicht mehr auf einen Wert festlegen, sondern die Sachlage zunächst prüfen. Nicht ausgeschlossen, so die Befürchtung, dass es noch weiter nach unten geht. Ceconomy ist nach eigenen Angaben selber noch mit Ursachenforschung beschäftigt. Voraussichtlich wolle das Unternehmen bis Ende dieser Woche, nähere Gründe für die Querelen nennen. Die vollständigen Zahlen zum Geschäftsjahr gibt es erst am 19. Dezember.

In einem Analystengespräch Mitte September hatte Ceconomy-Chef Pieter Haas bereits wesentliche Ursachen für die Misere genannt. Die wichtigsten davon sind das schwache Deutschland-Geschäft, das Wetter und der weit hinter den Erwartungen liegende Verkauf von Services und Dienstleistungen. In Deutschland bereitet Ceconomy vor allem die Digitalisierung der 430 stationären Märkte Schwierigkeiten. Sie stellt sich als wesentlich aufwendiger heraus als vermutet. Besonders Saturn macht hier weiterhin Probleme, obwohl Haas bereits das gesamte Management ausgetauscht hat. Ein weiterer Grund ist die weitgehende Autonomie einzelner Märkte.

Das anhaltend gute Wetter führte Haas ebenfalls als Grund für die widrige Entwicklung an. Die Menschen gingen bei Sonnenschein lieber nach draußen und gäben ihr Geld für andere Dinge aus als für Elektronikartikel. Unbefriedigend sei zudem die Entwicklung des Verkaufs von Schutzhüllen für Smartphones und Technikhilfen in den eigenen vier Wänden verlaufen, dem Geschäftszweig Services und Solutions. In diesem besonders margenträchtigen Geschäft stiegen die Umsätze zwar, doch bei weitem nicht so stark wie erhofft.

Hinzu kommen noch drei Ereignisse, die das Geschäftsjahr prägten: der Einstieg in den französischen Markt über eine Beteiligung an Fnac Darty, der Verkauf des Russland-Geschäfts und der Tod des Minderheitsgesellschafters Erich Kellerhals.

Ursprünglich sollte die Trennung von der Metro AG die Aktienkurse beider Unternehmen beflügeln. Das Gegenteil ist nun der Fall. Großaktionär Haniel verkauft deswegen seine Anteile - auch bei Metro. Der Großhändler steckt ebenfalls in Schwierigkeiten.

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