Ceconomy:Mutterkonzern von Media Markt und Saturn feuert Chef

Elektronikhändler Ceconomy

Pieter Haas (Mitte), bislang Vorstandschef der Ceconomy AG, muss gehen.

(Foto: dpa)
  • Ceconomy, die Holding der Elektrohandelsketten Media Markt und Saturn, entlässt seinen Konzernchef Pieter Haas.
  • Grund dafür ist der Wertverlust des Unternehmens an der Börse, nachdem Haas die Trennung vom Mischkonzern Metro vorangetrieben hatte.

Von Michael Kläsgen

Die Entscheidung lag in der Luft, in der Härte kommt sie aber doch überraschend. Ceconomy, die Holding der Elektroartikelmärkte Media Markt und Saturn, feuert die gesamte Führung. Pieter Haas, der bisherige Konzernchef, muss mit sofortiger Wirkung gehen. Finanzchef Mark Frese darf noch so lange bleiben, bis der Aufsichtsrat einen Nachfolger für Haas gefunden hat. Solange führt er gemeinsam mit Vorstandsmitglied Dieter Haag Molkenteller die Geschäfte. Beschlossen hat das mit großer Mehrheit der Aufsichtsrat in einer außerordentlichen Sitzung, hieß es in einer Pressemitteilung in der Nacht zum Samstag.

Das Gebilde mit dem Kunstnamen Ceconomy war erst vor gut einem Jahr entstanden. Bis dahin waren Media Markt und Saturn eine Geschäftseinheit des Mischkonzerns Metro. Die Aufspaltung sollte Mehrwert vor allem für die Aktionäre bringen. Doch das Gegenteil war der Fall. Ceconomy ist mit 1,7 Milliarden Euro heute nur noch etwa halb so viel an der Börse wert wie vor einem Jahr.

Die Vertreter der Großaktionäre Haniel und Beisheim drängten Haas und Frese zum Ausscheiden. Sie äußerten sich nicht öffentlich. Christoph Vilanek, der Chef des Mobilfunkanbieters Freenet, hatte sich allerdings am Donnerstag dezidiert zu Wort gemeldet. Den Umstand, dass Ceconomy innerhalb von drei Wochen zwei Gewinnwarnungen melden musste, bezeichnete er als "peinlich" und forderte indirekt personelle Konsequenzen.

Der Spanier Ferran Reverter soll nun das Geschäft in Deutschland auf Vordermann bringen

Freenet war erst im Juli für 277 Millionen Euro bei Ceconomy eingestiegen und ist damit mit etwa neun Prozent der Anteile drittgrößter Aktionär. Ein schlechtes Investment. Allein seit August verlor die Aktie etwa 35 Prozent an Wert.

Haas war derjenige, der die Trennung von der Metro am offensivsten mit vorangetrieben hatte und damit die größten Hoffnungen verband. Bisher ging so gut wie nichts von den hochtrabenden Plänen in Erfüllung. Haas verlor nicht nur das Vertrauen der Finanzmärkte und der Anteilseigner, sondern auch der Arbeitnehmervertreter. Auch sie sollen im Aufsichtsrat für sein sofortiges Ausscheiden gestimmt haben.

Der Spanier Ferran Reverter soll nun das Geschäft in Deutschland auf Vordermann bringen. Ceconomy ist mit seinen Elektroartikelmärkten in verschiedenen europäischen Märkten tätig, aber vor allem auf dem Heimatmarkt hakt es. Der 41-jährige Reverter war bislang für das operative Geschäft der Ceconomy-Tochter Media-Saturn zuständig, jetzt soll er der Chef der Tochter werden. Den Spanier zeichnet aus, dass er bereits das schlecht laufende Geschäft in Auslandsmärkten wie Spanien, Italien und in den Niederlanden wieder ins Positive gewendet hat.

Das soll ihm nun auch in Deutschland gelingen. Hier wird es vor allem darauf ankommen, schnell die Logistik zu zentralisieren und die lukrativen Service-Dienstleistungen in die Märkte zu bekommen. Sie sollen wesentlich dazu beitragen, die Märkte vom Online-Angebot unterscheidbar zu machen. Ferran Reverter gilt als zahlengetrieben und durchsetzungsstark. Er ist seit 2002 bei Media-Saturn und hat vom Store-Manager bis zum Chief Operating Officer verschiedene Stationen durchlaufen.

Dass er Haas auch als Chef der Ceconomy-Holding beerbt, gilt als ausgeschlossen. Die Suche für den Posten hat nun begonnen. Einen Favoriten dafür gibt es nicht. In das wichtige Weihnachtsgeschäft, in dem Elektroartikelhändler den meisten Umsatz machen, geht Ceconomy also mit einer Führung auf Abruf.

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