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Ceconomy:Keine Zeit für Blumen

Aktienkurs eingebrochen, keine Dividende, hohe Abfindungen für gescheiterte Vorstände: Aktionäre kritisieren das Management des Elektronikhändlers. Der entgeht knapp einem Machtkampf im Aufsichtsrat.

Einmal wird Bernhard Düttmann lauter. Da kritisierte ein Aktionär gerade, dass der Chef des Elektronikhändlers Ceconomy lustlos und emotionsarm vor die Hauptversammlung getreten sei. Das lässt Düttmann nicht auf sich sitzen. "Es ist nicht die Zeit für eine blumige Sprache, in der wir Tolles verkünden", entgegnet der 60-Jährige. Als Chef des Mutterkonzerns von Mediamarkt und Saturn dürfe er eben "nicht nur tolle, bunte Bilder vorzeigen", so Düttmann, sondern müsse endlich Versprechungen einhalten.

Denn das war bislang das Problem von Ceconomy. Die Firma entstand 2017, als die Großmärkte und Warenhäuser des Metro-Konzerns von den Elektronikketten Mediamarkt und Saturn abgespalten wurden. "Wir haben glänzende und goldene Zeiten erwartet", blickt Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz zurück. Stattdessen korrigierte Europas größter Elektronikhändler seine Prognosen mehrmals nach unten, der Aktienkurs brach von 13 Euro auf gut fünf Euro ein. Zum zweiten Mal in Folge sollen die Anteilseigner in diesem Jahr keine Dividende erhalten. "Die Geduld der Aktionäre ist schon reichlich strapaziert", sagt Benner-Heinacher.

Eine Ursache der Probleme ist der harte Wettbewerb, angetrieben von Onlinehändlern und Rabatttagen wie dem Black Friday. Erschwerend kommt hinzu, dass der Konzern in seiner kurzen Geschichte schon zwei Vorstandsvorsitzende verschlissen hat: Im Herbst 2018 musste Ceconomys erster Chef Pieter Haas gehen, im vergangenen Oktober dann sein Nachfolger Jörn Werner.

In der Hauptversammlung kritisieren mehrere Aktionäre, dass Werner eine Abfindung von 3,2 Millionen Euro erhielt. Derlei Summen seien unanständig und frech, schimpft der kritische Aktionär Karl-Walter Freitag. "Wie kommt es dazu, dass Sie solche Pfeifen überhaupt erst einstellen, die uns eine Menge Geld kosten?"

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Ceconomy ist der Mutterkonzern von gut 1000 Elektronikmärkten in Europa. Die Branche liefert sich einen harten Wettbewerb mit Onlinehändlern.

(Foto: Denis Doyle/Getty Images)

Der Aufsichtsratsvorsitzende und frühere Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen versucht, die Trennung von Werner zu erklären. Jeder Konzernchef müsse eine Vertrauensbasis aufbauen, damit alle Beschäftigten den Konzern voranbrächten, auch in der Media-Saturn-Holding. Werners Verhalten habe dies zuweilen verhindert. "Entscheidend ist nicht die Selbstdarstellung", so Fitschen, "sondern, dass man dem Unternehmen dient." Werner sei jedenfalls nicht einem Machtkampf mit dem selbstbewussten Media-Saturn-Chef Ferran Reverter zum Opfer gefallen. "Das können Sie vergessen", sagt Fitschen. "Das liest sich zwar gut in einigen reißerischen Medien, ist aber völlig daneben."

Einem Machtkampf knapp entkommen ist indes Christoph Vilanek, Chef von Freenet. Der Telekommunikationskonzern stieg 2018 bei Ceconomy ein und hält gut neun Prozent der Aktien. 2019 wurde Vilanek gerichtlich als Aufsichtsrat bestellt; die Hauptversammlung soll den 52-Jährigen nun regulär in das Gremium wählen.

Mehrere Aktionäre monieren, dass Ceconomy zugleich langfristige Kooperationen mit Freenet habe, mit Millionenprovisionen für den Verkauf von Mobilfunkverträgen und Geräten in Mediamarkt- und Saturn-Filialen. Hier liege "ein potenzieller Interessenskonflikt" vor, kritisiert Benner-Heinacher. "Bitte klären Sie uns noch mal auf, wie Sie mit diesem Interessenskonflikt umgehen", fordert auch Alexander Elsmann von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Auch die Erben des 2017 verstorbenen Mediamarkt-Gründers Erich Kellerhals, die über ihre Gesellschaft Convergenta 21 Prozent an Media-Saturn halten, hatten Vorbehalte gegen Vilaneks Einzug.

Stattdessen sollte nach Ansicht der Erben Gründersohn Jürgen Kellerhals Aufsichtsrat von Ceconomy werden. Allerdings hat Covergenta diesen Gegenantrag am Dienstag, kurz vor der Hauptversammlung, zurückgezogen. Fitschen hatte nach eigener Aussage am Montagmorgen mit Jürgen Kellerhals gesprochen.

Ceconomy habe Vilanek auf seine Verantwortung als Aufsichtsrat aufmerksam gemacht, sagt der Chefkontrolleur. Man habe aber keinen einzigen Verdachtsfall eines Interessenkonflikts gefunden. "Wir sehen auch keinen Grund zu vermuten, dass das in der Zukunft der Fall sein muss", sagt Fitischen. Vilanek habe - angesichts seiner Aufsichtsratsmandate bei Freenet-Tochtergesellschaften - versichert, dass er genug Zeit für die Arbeit im Ceconomy-Gremium habe. Vilanek kann die Bedenken am Mittwoch nicht selbst ausräumen. Der Freenet-Chef sei "leider sehr erkrankt und kann heute nicht anwesend sein", sagt Fitschen. "Herr Vilanek bedauert es sehr, lässt schön grüßen."

Hauptversammlung der freenet AG

Freenet-Chef Christoph Vilanek soll im Aufsichtsrat von Ceconomy bleiben.

(Foto: Daniel Reinhardt/dpa)

Vorstandschef Düttmann betont vor seinen Aktionären, dass er Ceconomy wieder stabilisiert habe. Nachdem der Konzern zuvor seine Kosten zuweilen "aus den Augen verloren" habe, profitiere man nun von dem 2019 aufgelegten Sparprogramm. Alleine im vergangenen Geschäftsjahr sind 3000 Stellen bei dem Media-Saturn-Mutterkonzern weggefallen, davon 2000 in Deutschland. Dass Ceconomy keine Dividende zahle, solle "kein Dauerzustand sein", verspricht Düttmann. Der frühere Beiersdorf-Manager will Ende März seine neue Strategie für die gut 1000 Mediamarkt- und Saturn-Filialen in Europa vorstellen. Da der Aufsichtsrat Düttmann aus seinem Kreis an die Vorstandsspitze entsandt hat, ist die Amtszeit des promovierten Betriebswirts zunächst bis Oktober befristet.

In der Hauptversammlung stellen mehrere Aktionäre die Frage, wer dann langfristig an der Vorstandsspitze stehen wird? "Die haben wir in der Tat noch nicht abschließend beantwortet", sagt Chefkontrolleur Fitschen. "Wir haben nicht gesagt, dass es nicht möglich ist, dass Herr Dr. Düttmann in dieser Rolle auch länger bleibt." Ceconomy suche jedenfalls nicht aktiv einen Nachfolger für Düttmann und habe auch keinen Headhunter eingeschaltet, so Fitschen. Wer auch immer künftig den Konzern führe, sei an jene Strategie gebunden, die Düttmann Ende März vorlegen will.

© SZ vom 13.02.2020
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