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Ceconomy:Chef gesucht

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Schlangen vor Saturn in Berlin im vergangenen Dezember: Die Nachfrage ist da, ein Name für den Chefposten noch nicht.

(Foto: Liesa Johannssen-Koppitz/Bloomberg)

Der Elektronikhändler strafft die Struktur. Nach dem Wechsel von Reverter nach Barcelona fehlt die Führung.

Von Michael Kläsgen

Es ist eigentlich eine positive Nachricht für Anleger: Ceconomy, einer der größten Elektroartikelhändler in Europa, will seine Doppelstruktur abschaffen. Der Mutterkonzern Ceconomy in Düsseldorf kauft die Media-Saturn-Holding in Ingolstadt komplett, beide Holdings gehen in einer Gesellschaft auf. Wo der Sitz des einen Unternehmens sein wird, muss noch entschieden werden. Allein aufgrund der Mitarbeiterzahl spricht allerdings einiges für Ingolstadt. In Düsseldorf arbeiten nur 70 Personen, entschieden ist aber noch nichts.

Das gemeinsame Unternehmen wird zudem nach dem Ende des Dauerstreits und der Einigung mit der Familie Kellerhals einen klaren Mehrheitsgesellschafter haben: die Convergenta Beteiligungsgesellschaft der Familie Kellerhals. Sie wird mit zunächst 25 Prozent der Anteile größter Einzelaktionär und kann ihren Anteil weiter ausbauen, ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Effizienz. Alles deutet auf einheitliche und einfachere Strukturen hin. Normalerweise gefällt Anlegern so etwas, und das drückt sich in der Regel in steigenden Aktienkursen aus. Doch nach der Ankündigung sank die Ceconomy-Aktie relativ am Montag deutlich, zeitweise um mehr als drei Prozent.

Ein Grund dafür ist wohl, dass der Elektronikhändler eine der wichtigsten Fragen immer noch nicht beantworten konnte: Wer wird den Konzern künftig führen? Vielmehr stellt sich die Frage seit Sonntagabend noch dringlicher als zuvor. Denn seitdem ist bekannt, dass mit Ferran Reverter einer der hoffnungsvollsten Aspiranten auf den Job aus dem Unternehmen ausscheidet. Der Katalane wird Geschäftsführer des FC Barcelona, seines Heimatvereins, der gleichzeitig eine weltweit bekannte Marke ist. Dem Angebot des Clubs konnte der Barça-Fan Reverter, der dem Verein seit seiner Kindheit emotional verbunden ist und dessen Familie in Barcelona lebt, kaum widerstehen. 18 Jahre lang war er bei Mediamarkt Saturn, wurde Marktleiter, Spanien-Chef und schließlich Chef der Media-Saturn-Holding. Mitte des Jahres fängt er noch mal von vorn an, im Fußball.

Die wichtigste und wohl auch schwierigste Aufgabe für Ceconomy ist es nun, einen neuen und geeigneten Konzernchef zu finden. Noch leitet der ehemalige Beiersdorf-Manager Bernhard Düttmann das Unternehmen übergangsweise, im Oktober läuft sein Vertrag aus. Mit der Suche beauftragt ist der neue Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Dannenfeldt. Bisher hat Ceconomy nicht immer ein glückliches Händchen bei der Auswahl des Spitzenpersonals bewiesen, und es ist wohl auch nicht so, dass es ein Überangebot an Bewerbungen Qualifizierter gäbe. Andererseits könnte der Posten jetzt attraktiver werden. Alle Zeichen stehen auf Neuanfang.

© SZ vom 09.03.2021
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