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CDU-Wahlkampf:Es gibt auch düstere Szenarien

Zeitarbeit ist heute das entscheidende Instrument für Unternehmen, um flexibel auf Konjunkturschwankungen reagieren zu können. Die hohe Flexibilität verlangt den Beschäftigten viel ab.

Ob das alles hilft, Vollbeschäftigung zu erreichen, hängt auch davon ab, wie die Chancen und Risiken des demografischen Wandels genutzt werden. Fachkräftemangel gibt es in einigen Branchen schon heute. Nicht wenige prophezeihen, dass in zehn bis 15 Jahren niemand mehr auf der Straße sitzen muss, weil die Zahl der arbeitsfähigen Menschen stetig sinkt. 2025 wird das Arbeitskräftepotential um 3,5 bis 6,5 Millionen Menschen geringer sein. Vollbeschäftigung müsste sich praktisch von selbst einstellen. CDU-Generalsekretär Gröhe dürfte auf genau diesen Effekt hoffen. Ganz sicher aber kann er nicht sein. Denn einige Fragen sind offen. Etwa ob angestammte Unternehmen nicht wegen des Fachkräftemangels ihre Standorte ins Ausland verlagern. Dann könnten mehr Arbeitsplätze wegfallen, als neue Mitarbeiter gesucht werden.

Dennoch dürften qualifizierte Menschen in Zukunft immer weniger Probleme haben, einen Job zu finden. Schwerer aber könnte es für das Heer der wenig bis gar nicht Qualifizierten werden. Sie kommen heute vor allem im Dienstleistungssektor unter. In einer schrumpfenden Gesellschaft werden jedoch automatisch weniger Dienstleistungen nachgefragt. Der Arbeitsmarktforscher Joachim Möller schreibt dazu: " In einem düsteren, aber leider nicht ganz unwahrscheinlichen Szenario könnte Deutschland im Jahr 2025 sowohl unter hoher Arbeitslosigkeit als auch unter einem gravierenden Fachkräftemangel leiden."

Straubhaar prognostiziert: Werde das Bildungsproblem gelöst, Lohnzurückhaltung beibehalten, der Fachkräftemangel über gezielte Zuwanderung behoben, könnte die Arbeitslosenquote im Jahr 2015 auf unter fünf Prozent fallen. Das Problem lösen müssen demnach vor allem die Länder und die Tarifpartner. Der Bund müsste das Fachkräfteproblem konsequenter angehen. Dann kann das Projekt Vollbeschäftigung gelingen. Und Hermann Gröhe könnte dann sagen, seine Partei habe damit etwas zu tun gehabt.

© Süddeutsche.de/jab/hum

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