Carsten Maschmeyer und die Hannover-Connection "Einfach cooler als Roland Koch"

Nach Schröders Abwahl 2005 half Maschmeyer dem Politiker noch mal bei dessen Memoiren "Entscheidungen - mein Leben in der Politik". Der Unternehmer kaufte kurzentschlossen dem Altkanzler die Verwertungsrechte für eine Million Euro ab und machte damit, in trauten Zusammenspiel mit dem Hamburger Verlag Hoffmann und Campe, ein ganz wunderbares Geschäft. Wunderbar auch, dass dort im Buchhaus Schröder-Freund Manfred Bissinger saß. Jener Publizist und jener Verlag waren es auch, die 2007 den ominösen Wulff-Gesprächsband mit dem langjährigen Bild-Kolumnisten Hugo Müller-Vogg auflegten.

Öffentliche Auftritte des Ehepaars Wulff

An seiner Seite

Bissinger jubelte im Vorwort den niedersächsischen Politiker Wulff zu einer Art Schröder 2.0 hoch, einem Erleuchteten, der Angela Merkel folgen könnte und der "einfach cooler ist als Roland Koch". Sowohl für Schröder als auch für Wulff gelte, dass "sie sich aus eher kleinen Verhältnissen ins Leben kämpften", räsonierte der Verleger. Jetzt verteidigt er die Buch-Anzeigenfinanzierung durch Maschmeyer lebhaft; das sei "in der Verlagsbranche üblich und ein absolut normaler Vorgang". Christian Wulff habe kein Buchhonorar erhalten und nicht nach dem Finanzier der Inserate gefragt. Im Umfeld von Hoffmann und Campe ist zu hören, die CDU habe damals die Abnahme von 5000 Exemplaren garantiert; auch der Stahlindustrielle Großmann wollte angeblich eine Tranche abnehmen.

Zur Anfrage der Süddeutschen Zeitung nach den Umständen des Deals antwortet der Verlag nur, "dass Carsten Maschmeyer die Anzeigenkampagne . . . unterstützt hat". Der damalige Geschäftsführer Bissinger (ausgeschieden 2010) habe "Herrn Maschmeyer persönlich um diese Hilfe gebeten".

Und so kam das System Hannover ins Rollen: Man lebt hier besser, indem man sich permanent gegenseitig einlädt und fördert, mit Maschmeyer als Maître de Plaisir. Es sei fast nicht zu vermeiden, sich "in dieser sehr überschaubaren Stadt gesellschaftlich häufig zu begegnen", sagte Maschmeyer vor zehn Monaten. Inzwischen findet er, dass es in Hannover eben nicht nur die Erfolgstypen gebe, all die Schröders und Wulffs, sondern auch die anderen, die Traurigen. Und so finanziert Maschmeyer dem Hirnforscher Florian Holsboer in einer gemeinsamen Firma in München die Erforschung von Antidepressiva.

Holsboers Hirn und das eigene Geld, das sei gleich viel wert, sagt Maschmeyer. Vom AWD in Hannover hat er sich losgesagt, es zieht ihn derzeit mehr in den Süden der Republik. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Veronica Ferres hat er ein Anwesen am Ufer des Starnberger Sees gefunden.

Carsten Maschmeyer ist jetzt Firmeninvestor - und wenn gute Freunde anklopfen, dann wird er nicht nein sagen.