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Cannabis-Importe aus den Niederlanden:In Deutschland wird staatlicher Cannabis-Anbau vorbereitet

Das Cannabis wird nach einer Qualitätsprüfung vollständig von der niederländischen Cannabisagentur (BMC) übernommen. Ein Teil davon geht direkt an Apotheken im ganzen Land, der Rest wird ins Ausland verschickt. Zu den wichtigsten Kunden zählen Deutschland mit aktuell 170 und Italien mit etwa 100 Kilogramm pro Jahr, sagt die Sprecherin des Gesundheitsministeriums. Danach folgen Finnland und einige osteuropäische Länder.

Bereits zwei Mal hat Bedrocan bei der niederländischen Behörde um eine Steigerung der Produktionskapazitäten gebeten, beide Male wurde sie erteilt. Ebenfalls in diesem Jahr möchte das 50-Mann-Unternehmen die Produktion erneut steigern. Auch in Deutschland werden derzeit Ausschreibungen für den staatlichen Cannabis-Anbau vorbereitet. Ob Bedrocan sich bewerben wird, möchte das Unternehmen nicht verraten, informiert haben sie sich aber bereits.

Unabhängig davon wird Bedrocan seine Produktion aber ausweiten wollen: Der Bedarf an Cannabis wächst nicht nur aufgrund der gestiegenen Anzahl an Patienten. Auch wissenschaftliche Forschungen sind zunehmend daran interessiert. Sie benötigen Cannabis unter anderem als Rohstoff für die Entwicklung gewisser pharmazeutischer Produkte. Zudem experimentieren sie mit der Dosierung und neuen Verabreichungsformen von Cannabis.

Cannabis-Inhalator, Cannabis-Tabletten, Cannabis-Spray

Für Kinder mit Epilepsie beispielsweise haben Forscher bereits ein Kaugummi entwickelt. Auch die Bedrocan-Tochter Spirocan ist in der Forschung tätig: Sie hat einen Cannabis-Inhalator mitentwickelt und produziert gemeinsam mit einem anderen Unternehmen Cannabis-Tabletten. Auch ein Cannabis-Spray ist bereits auf dem Markt, entwickelt wurde es vom britischen Pharmakonzern GW Farmaceuticals. "Lizenzen und die Entwicklung von Cannabis-Medizin werden für uns immer wichtiger", sagt auch Bedrocan-Mitarbeiter Van Peer.

Wie hoch die Kapazitäten noch wären, möchte sein Unternehmen mit Verweis auf Den Haag nicht verraten. Auch bei der Regierung hält man sich in dieser Frage zurück. Fest steht aber: Die Menge wächst rasch. Laut dem BMC ist sie in 13 Jahren von 60 Kilogramm auf 900 Kilogramm gestiegen.

Der Erzeugerpreis wird ebenfalls vom BMC festgelegt. Er lag 2016 pro Gramm bei etwa 6,67 Euro. "Wenn das Geschäft sehr gut geht, wird der Preis reduziert", so die Sprecherin. Eine Reduzierung gab es aufgrund der hohen Nachfrage allein im vergangenen Jahr zwei Mal. Der Endverbraucher in den Niederlanden zahlte 2016 zuzüglich Kosten für Großhandel und Apotheken etwa zehn Euro pro Gramm, die Deutschen mit etwa 14 Euro deutlich mehr. Noch aus dem eigenen Geldbeutel - ab sofort von der Krankenkasse.

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