Butter Warum der Butterpreis in die Höhe schnellt

Wer die Butter auf dem Brot lassen will, muss dafür deutlich mehr bezahlen als vor einigen Wochen.

(Foto: Arno Burgi/dpa)
  • Seit April ist der Preis für Butter von einem Rekord-Tief auf den höchsten Stand seit 15 Jahren geschnellt.
  • Die niedrigen Preise haben viele Milchbauern zum Aufgeben gebracht, das rächt sich nun: Inzwischen übersteigt die Nachfrage nach Butter wieder das Angebot.
Von Michael Kläsgen

Es ist die vierte Preiserhöhung in diesem Jahr und vielleicht nicht die letzte. Butter ist so teuer wie zuletzt vor 15 Jahren. Aldi Nord und Süd haben den Preis für die 250-Gramm-Packung Deutsche Markenbutter Anfang September um 20 Cent auf 1,99 Euro angehoben. Bereits im Mai, Juni und Juli hatten die beiden Discounter den Preis um 10, 20 und 30 Cent erhöht. Auch für andere Milchprodukte setzten sie die Preise hoch. In der Regel ziehen alle anderen Lebensmittelhändler nach, so war es jedenfalls bei den vorangegangenen Preiserhöhungen. Sind Aldi Nord und Süd deshalb unlautere Preistreiber?

Aldi Süd teilt mit, die Einkaufspreise bei Aldi folgten "grundsätzlich dem marktwirtschaftlichen Prinzip von Angebot und Nachfrage". Damit beschreibt der Discounter ein Phänomen, das Ökonomen Schweinezyklus nennen. Gemeint ist damit das Auf und Ab von Angebot und Nachfrage beziehungsweise steigenden und sinkenden Preisen. Bei Agrarprodukten ist das Wechselspiel besonders deutlich zu beobachten. Erstmals nachgewiesen wurde es bei Schweinen, daher der Name.

Bei hohen Preisen ziehen die Bauern mehr Schweine auf, weil sich das Geschäft lohnt. Das Angebot steigt. In der Regel hält die Nachfrage der Verbraucher aber nicht Schritt, weshalb es irgendwann zu einem Überangebot und schließlich zu sinkenden Preisen oder gar zu einem Preisverfall kommt. Bei Milchprodukten und eben auch der Butter ist genau das vor dem jetzigen Preisanstieg geschehen.

Vom Rekordtief auf 15-Jahres-Hoch in wenigen Monaten

Noch im April war der Preis für ein Päckchen Butter laut Statistik auf einem "historischen Tief". Butter würde verramscht, monierten Kritiker, das Päckchen war beim Discounter für 1,29 Euro zu haben. Milch war ebenfalls billig. Milchbauern konnten von den Einnahmen kaum leben. Deswegen gaben viele seit der sogenannten Milchpreiskrise 2015 ihren Betrieb auf oder produzierten weniger. Deswegen sei das Angebot derzeit besonders niedrig, sagt der Geschäftsführer des Milchindustrieverbandes Eckard Heuser.

So niedrig, dass die Nachfrage das Angebot übersteigt. Die Preise schnellen deshalb nach oben. Die Nachfrage sei auch deshalb hoch, sagt Heuser, weil "das Wachstum der Light-Produkte einfach vorbei" sei. Das Verbraucherverhalten habe sich gewandelt. Das behaupten auch andere Verbandsvertreter. Demnach stehe der Genuss jetzt im Vordergrund. Es gehe den Verbrauchern mehr um den Geschmack und da sei Fett als Geschmacksträger wichtig. Die milchverarbeitende Industrie bestätigt den Trend zu fetthaltigeren Produkten. Sie seien wieder "in", heißt es.

Doch erste Anzeichen für eine gegenläufige Entwicklung sind bereits zu beobachten, so wie es die Lehrbücher über das Auf und Ab des Zyklus vorsehen. Die Milchwirtschaft hat registriert, wie die Verbraucher sich zurückhalten und die Nachfrage abschwächt. Experten gehen davon aus, dass auch die verarbeitende Industrie reagieren wird, sobald bestehende Lieferverträge auslaufen. Die Lebensmittelindustrie könnte auf umstrittene Alternativen wie Palmöl zurückgreifen, das günstiger zu produzieren ist, aber unter anderem in der Kritik steht, weil zum Aufbau von Ölpalm-Plantagen in großem Stil Regenwald gerodet werden muss. Aber vielleicht wartet sie auch einfach darauf, dass die Preise wieder sinken.

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