Bußgeld in Rekordhöhe:1,3 Milliarden Dollar - Höchststrafe für SAP

Lesezeit: 1 min

Das Verfahren um den Datenklau einer SAP-Tochter endet für den deutschen Konzern mit einem Debakel. Das Walldorfer Unternehmen muss dem US-Konkurrenten Oracle 1,3 Milliarden Dollar Schadenersatz zahlen.

Der deutsche Softwarekonzern SAP hat vor Gericht im kalifornischen Oakland eine herbe Schlappe erlitten: Die Geschworenen im Datenklau-Prozess entschieden am Dienstag, dass SAP 1,3 Milliarden Dollar an den US-Wettbewerber Oracle zahlen muss. Der Fachagentur Bloomberg zufolge handelt es sich bei der von der Jury festgelegten Summe um die höchste in einem Fall von Urheberrechtsverletzung.

SAP muss Oracle 1,3 Milliarden Dollar zahlen

Firmenlogos am Hauptgebäude des Software-Konzerns SAP in Walldorf. Die Fehler einer kleinen amerikanischen Tochterfirma kommen die Deutschen nun teuer zu stehen.

(Foto: dpa)

Der Walldorfer Konzern hatte in dem Prozess eine Schadenersatzzahlung in Höhe von lediglich etwa 40 Millionen Dollar für angemessen gehalten, während Oracle die entstandenen Schäden auf mehrere Milliarden Dollar bezifferte.

Auch nach Abschluss des Zivilprozesses ist das letzte Wort in dem Fall möglicherweise noch nicht gesprochen, da auch die Strafverfolgungsbehörden in den USA den Datendiebstahl noch unter die Lupe nehmen könnten.

SAP-Vorstandssprecher Bill McDermott hatte sich in der vergangenen Woche noch vor Gericht entschuldigt und Fehler eingeräumt. Von dem Urteil zeigte man sich nun enttäuscht: Ein Sprecher sagte, das Unternehmen werde seine Optionen prüfen. Dies schließe ein mögliches Berufungsverfahren ein.

Anfängliche Dementis

Der aufsehenerregende Prozess hatte Anfang November in den USA begonnen. Dabei ging es neben Industriespionage auch um Schadenersatz für Diebstahl von geistigem Eigentum. Oracle hatte die Vorwürfe erstmals vor dreieinhalb Jahren öffentlich erhoben. SAP hatte die Verfehlungen grundsätzlich eingeräumt, eine von Oracle geforderte Milliardensumme aber als völlig überhöht bezeichnet.

Auslöser für die Oracle-Klage war die Softwarefirma TomorrowNow, ein kleines Unternehmen aus Texas. SAP hatte den auf die Wartung von Software spezialisierten Dienstleister Anfang 2005 für zehn Millionen Dollar gekauft, um Oracle nach dessen Übernahme von PeopleSoft möglichst viele lukrative Firmenkunden abspenstig zu machen.

SAP und TomorrowNow lockten verunsicherte Nutzer von PeopleSoft mit Dumping-Angeboten für Software-Wartung. Letztlich sollten die Kunden mit hohen Rabatten ins SAP-Lager wechseln.

TomorrowNow schoss aber deutlich über das Ziel hinaus, wie SAP später - nach anfänglichen Dementis - einräumte: Denn im Rahmen der Wartungstätigkeit für etwa 200 Kunden kam es durch TomorrowNow-Mitarbeiter zu umfangreichen und unzulässigen Datentransfers von Oracle-Rechnern, was der US-Konzern als Software-Diebstahl, Spionage und Betrug im großen Stil wertete und Klage erhob.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema