Psychische Störungen am ArbeitsplatzWas ist Burn-out?

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Wer an einem Burn-out leidet, fühlt sich andauernd müde und ohne jede Energie. Manche schaffen noch die Arbeit, aber nach Feierabend nichts Weiteres mehr.
Wer an einem Burn-out leidet, fühlt sich andauernd müde und ohne jede Energie. Manche schaffen noch die Arbeit, aber nach Feierabend nichts Weiteres mehr. Kniel Synnatzschke/IMAGO

Welche Symptome sind typisch? Ist Burn-out überhaupt eine Krankheit? Warum ist die Abgrenzung zur Depression oft kompliziert und an wen kann ich mich als Betroffener wenden? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Von Oliver Klasen

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Woher kommt der Begriff „Burn-out“ und was ist das? 

Das Wort geht auf das englische Verb to burn out (deutsch: ausbrennen) zurück und wurde Mitte der Siebzigerjahre von dem US-Psychotherapeuten Herbert Freudenberger zum ersten Mal im medizinischen Kontext verwendet. Freudenberger beschrieb damit die Überlastung von Menschen, die in Pflegeberufen arbeiten, unter hohem Druck stehen und dazu extreme Anforderungen an sich selbst stellen. Noch heute sehen Fachleute in helfenden Berufen eine Risikogruppe für Burn-out-Fälle.

Später, in den 1990er- und 2000er-Jahren, wurde Burn-out in der breiten öffentlichen Diskussion als Erkrankung von Menschen gesehen, die sehr viel arbeiten. Es galt zeitweise als inflationäre und teils von den Betroffenen selbst vorgenommene „Modediagnose“. Einige Fachleute vertraten damals die Ansicht, Burn-out sei nur ein Verlegenheitsbegriff, um nicht von Depression zu sprechen.

Inzwischen hat sich die Diskussion weiterentwickelt. Unter Expertinnen und Experten besteht Konsens, dass Burn-out stets mit der Berufstätigkeit des Betroffenen zu tun hat und prinzipiell alle Berufsgruppen betreffen kann. Das Burn-out-Syndrom ist eine „Folge von chronischem Stress am Arbeitsplatz (...), der nicht erfolgreich bewältigt werden kann“. So jedenfalls die Definition in der neuesten Version der Klassifikation der Krankheiten nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Welche Symptome sind typisch?

Fachleute sprechen zumeist von drei Gruppen von Symptomen: erstens körperliche und emotionale Erschöpfung, zweitens Distanzierung von der Arbeit und drittens Leistungsabfall. Ein erstes Anzeichen sind oft Schlafstörungen, auch unspezifische körperliche Beschwerden wie Rückenschmerzen und Verdauungsbeschwerden können auftreten. Die Betroffenen fühlen sich andauernd müde und ohne jede Energie. „Ein typischer Satz ist: Die Arbeit schaffe ich irgendwie noch, aber wenn ich nach Hause komme, muss ich sofort auf die Couch“, sagt Sven Steffes-Holländer. Er ist Ärztlicher Direktor der an mehreren Standorten in Bayern und Berlin ansässigen Heiligenfeld-Klinikgruppe, die auf psychische und psychosomatische Erkrankungen spezialisiert ist.

Die Distanzierung von der Arbeit äußert sich in einer gleichgültigen oder sogar zynischen Einstellung gegenüber der Arbeit. „Das ist nicht bloß schlechter Humor, sondern kann für Betroffene eine Entlastung von moralischem Stress sein. Ich transportiere vordergründig die Botschaft: Mir ist alles egal. Dabei ist das Gegenteil der Fall“, sagt Steffes-Holländer. Der Arzt arbeitet viel mit Einsatzkräften bei Polizei und Feuerwehr. „Da ist Zynismus ein Frühsignal für Burn-out. Zynismus verändert menschliche Beziehungen und verändert auch ein Team.“ Typische Anzeichen von Distanzierung sind auch Verhaltensweisen, die landläufig als Dienst nach Vorschrift oder innere Kündigung bezeichnet werden. Es kann sich aber auch in einem teilnahmslosen Verrichten von Aufgaben oder dem Nichtreagieren auf Anregungen äußern. „Präsentismus ohne Präsenz“, nennt Steffes-Holländer das.

Die eigene Leistungsfähigkeit objektiv einzuschätzen, ist für Betroffene oft schwierig. Dieses Symptom wird daher eher von Kollegen oder Vorgesetzten bemerkt. Menschen, die an Burn-out leiden, haben aber oft ein diffuses Gefühl, in der Arbeit nicht mehr so effektiv zu sein wie früher, sich nicht mehr konzentrieren zu können, Schwierigkeiten mit Entscheidungen zu haben oder mehr Willenskraft aufbringen zu müssen, um eine Aufgabe zu erfüllen.

Ist Burn-out eine Krankheit?

Es kommt darauf an, wen man fragt. Aus Daten der Krankenkassen ergibt sich, dass die Zahl der Menschen, die wegen Burn-out eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bei ihrem Arbeitgeber einreichen, in den vergangenen zehn Jahren stark gestiegen ist. Dennoch ist Burn-out nach der WHO-Klassifikation keine Krankheit, sondern nur eine Zusatzdiagnose, die häufig in Zusammenhang mit anderen psychischen Erkrankungen wie Depression oder Angststörungen oder auch kombiniert mit körperlichen Erkrankungen wie Tinnitus auftritt. „In die gängigen Diagnosesysteme hat Burn-out erst spät Eingang gefunden. Für Ärztinnen und Therapeuten gab es lange keine klare Orientierung“, sagt Steffes-Holländer. Viele Therapeutinnen und Therapeuten sehen Burn-out heute als einen Risikofaktor an, der weitere Erkrankungen nach sich ziehen kann. 

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Warum ist es oft schwer, Burn-out von einer Depression abzugrenzen?

Die Übergänge zwischen einem Burn-out-Syndrom und einer Depression sind oft fließend. Steffes-Holländer sieht Unterschiede einerseits in der Schwere der Erkrankung, in der Art der Symptome und im Kontext. Während Burn-out als arbeitsbezogene Störung definiert ist, erstreckt sich die Depression auf sämtliche Bereiche des Lebens und auf alle menschlichen Beziehungen. „Eine Depression ist fast immer verbunden mit Schuld, Wertlosigkeitsgefühlen und einem Grübelzwang, von dem man sich kaum lösen kann. Das sieht man bei einem Burn-out eher nicht“, sagt Steffes-Holländer. Auch Suizidgedanken, die bei Depressionen vorkommen können, sind kein Merkmal von Burn-out. Ein Unterschied ist auch, dass bei Burn-out eine Erholungsphase zumindest kurzfristig eine gewisse Linderung der Symptome bringen kann. Eine Depression hingegen tritt meist unabhängig von der tatsächlichen Arbeitsbelastung auf. „Drei Wochen in den Urlaub zu fahren, bringt da nur selten eine Besserung der Symptome“, sagt Steffes-Holländer.

Wie seriös sind Selbsttests im Internet, mit denen man herausfinden kann, ob man an einem Burn-out leidet?

Ein Selbsttest kann ein erster Indikator sein. „Im Idealfall machen solche Tests eine Belastung früher sichtbar und sie können für Betroffene eine Entlastung sein. Die wissen dann: Ich bilde mir nicht ein, dass es mir schlecht geht. Es gibt wirklich ein Problem und das hat einen Namen. Das reduziert Selbstvorwürfe“, erklärt Steffes-Holländer. Ein positiver Online-Test kann auch ein Anstoß sein, einen Arzt aufzusuchen.

Der Psychosomatik-Experte rät dazu, Tests zu nutzen, die sich auf Websites von Krankenkassen oder renommierten Fachklinken finden. Sie seien in aller Regel von Experten wissenschaftlich geprüft. „Das Ergebnis eines solchen Tests darf man aber nie mit einer ärztlichen oder psychotherapeutischen Diagnose verwechseln“, sagt Steffes-Holländer. Denn dafür sei zum Beispiel auch eine Untersuchung der Begleitumstände entscheidend. Das könne ein Online-Test nicht leisten.

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