Deutsche MarineDeutschlands teuerste Fregatte wird noch teurer

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Eine Fregatte am Horizont – die Schiffe der Niedersachsen-Klasse „F126“ sind für die Marine ebenfalls noch in weiter Ferne.
Eine Fregatte am Horizont – die Schiffe der Niedersachsen-Klasse „F126“ sind für die Marine ebenfalls noch in weiter Ferne. Stefan Sauer/dpa
  • Rheinmetall soll das F126-Fregattenprojekt für 12 Milliarden Euro offenbar übernehmen und die Schiffe bis 2032 liefern, später als ursprünglich geplant.
  • Das Projekt wird mit über 14 Milliarden Euro Gesamtkosten auch deutlich teurer, nachdem bereits zwei Milliarden an die niederländische Werft Damen Naval gezahlt wurden. Als Zwischenlösung sollen Fregatten von TKMS beschafft werden.
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Deutschlands größtes Marineprojekt steckt in der Krise. Nun soll offenbar Rheinmetall die „F126“-Fregatten bauen. Sie dürften nicht nur später kommen, sondern auch viel mehr kosten als geplant.

Von Anna Lea Jakobs und Sina-Maria Schweikle, Berlin, München

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Nun also wieder Rheinmetall. Der Rüstungskonzern soll offenbar das strauchelnde F126-Fregattenprojekt übernehmen – für insgesamt zwölf Milliarden Euro, wie die Financial Times berichtete. Es ist das derzeit größte Marineprojekt in Deutschland, für das nun ein neuer Auftragnehmer gesucht wird. Nach sechs Monaten Verhandlungen liegt nun ein konkretes Angebot von Rheinmetall vor. Demnach könnte die Firma bis 2032, frühestens in der zweiten Hälfte des Jahres 2031, die Fregatten liefern. Das wäre deutlich später als ursprünglich geplant.

Als man vor sechs Jahren den Auftrag an die niederländische Werft Damen Naval vergab, war noch von ersten Lieferungen im Jahr 2028 die Rede. Denn die Deutsche Marine benötigte die Schiffe noch in dieser Dekade, um die Ostsee und den Nordatlantik im Fall eines möglichen russischen Angriffs verteidigen zu können.

Mit Damen Naval hatte die deutsche Beschaffung jedoch so ihre Probleme: Das Projekt schritt nur langsam voran, Liefertermine rückten immer weiter nach hinten. Irgendwann hielt Berlin dann Zahlungen an das Unternehmen zurück, der Konflikt eskalierte. Schließlich schaute man sich nach einem anderen Auftragnehmer um und scheint ihn in Rheinmetall gefunden zu haben.

Der Auftrag würde gut in die Pläne des Rüstungsunternehmens passen, sich auch im Marinebereich zu etablieren. Im März 2026 hatte Rheinmetall bereits das Marinerüstungsunternehmen NVL (Naval Vessels Lürssen) übernommen. Auch für die Kieler Werft German Naval Yards interessiert sich Rheinmetall, die Firma hat ein erstes Gebot für die Kieler Werft vorgelegt. Die Marinesparte der Firma kann laut ihrem neuesten Finanzbericht 5,5 Milliarden Euro an Auftragsbeständen verzeichnen.

Das Fregattenprojekt dürfte deutlich teurer werden als ursprünglich geplant

Klar ist, dass die F126-Fregatten nicht nur später kommen, sie dürften mit der Übernahme des Auftrags durch Rheinmetall auch deutlich teurer werden als bisher geplant. Ursprünglich waren für die sechs Kriegsschiffe Kosten von rund neun bis zehn Milliarden Euro veranschlagt. Rheinmetall verlangt nun laut Financial Times zwölf Milliarden Euro für die Übernahme des Projekts. Weitere zwei Milliarden Euro wurden bereits an die niederländische Werft Damen Naval gezahlt. Insgesamt könnte die Beschaffung den deutschen Staat also mehr als 14 Milliarden Euro kosten.

Haushaltspolitiker im Bundestag sind nicht nur wegen der explodierenden Kosten skeptisch. „Der gesamte bisherige Ablauf der Beschaffung ist nicht im Sinne des Steuerzahlers und auch nicht im Sinne der Truppe“, sagt Haushaltspolitiker Andreas Schwarz (SPD). Ihm liegen die Zahlen vom Rheinmetall-Angebot nach eigenen Angaben noch nicht vor. Klar sei, dass in den vergangenen Jahren Milliardensummen an eine Firma gegangen seien, die letztendlich nicht abliefern könne. Scheinbar habe man viel Geduld und Hoffnung auf ein gutes Ende gehabt, meint er. Sebastian Schäfer (Grüne) kritisiert hingegen, dass nun „alles Mögliche mit immer mehr Schuldenfinanzierung eingekauft“ würde. Finanzielle Beschränkungen und Priorisierung gebe es anscheinend nicht mehr.

Dass einer Firma ein ganzer Auftrag so entzogen wird, passiert Experten zufolge eher selten. „Es ist eine ungewöhnliche Entscheidung, jetzt die Reißleine zu ziehen“, sagt Johannes Peters, Sicherheitsexperte am Institut für Sicherheitspolitik der Universität Kiel. Zugleich zeige sich darin jedoch, dass man die Zeichen der Zeit erkannt habe und es sich „nicht mehr leisten kann, weitere zehn Jahre oder länger zu warten, bis neue Schiffe kommen“.

TKMS-Fregatten sollen als Zwischenlösung dienen

Da die Kampfschiffe auch mit einer Rheinmetall-Lösung nicht mehr in diesem Jahrzehnt kommen würden, bemüht der Staat sich um eine Zwischenlösung. Das sollen Meko-A-200-Fregatten (F128) des Werftunternehmens TKMS sein. Die Doppelbestellung macht das Beschaffungsvorhaben noch einmal um Milliarden Euro teurer. Haushaltspolitiker Schwarz hält den Einkauf trotzdem für einen notwendigen Schritt: „Es ist sinnvoll, ein erprobtes Produkt zu beschaffen, das bereits bei anderen Nato-Ländern im Einsatz ist.“

Die TKMS-Fregatten sollen die Marine schneller verteidigungsfähig machen. Der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Jan Christian Kaack, machte in einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung Mitte Februar bereits deutlich: „Ich brauche Stahl im Wasser, um meinen Auftrag zu erfüllen.“ Ein erstes Schiff soll bereits Ende 2029 geliefert werden, das bekräftigte TKMS-Vorstandschef Oliver Burkhard im SZ-Interview.

Ob die TKMS-Modelle die F126-Fregatten gar überflüssig machen könnten? Das denkt Andreas Schwarz eher nicht. Ihr Fähigkeitsprofil sei nur eingeschränkt vergleichbar, so Schwarz. Als kurzfristige Übergangslösung seien sie jedoch gut geeignet. Auch Sicherheitsexperte Peters betont, dass die Meko-Fregatten ausreichen, um die bestehende Fähigkeitslücke vorübergehend zu schließen. Da die Marine die Schiffe zeitnah benötigt, müssten sie als Standardversion „von der Stange“ beschafft werden. Dadurch fehlten ihnen bestimmte Fähigkeiten, die erst mit der F126 vorgesehen sind, insbesondere im Bereich der U-Boot-Jagd.

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