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Bundesregierung:Merkel forciert Frauenquote

Frauenquote Gleichberechtigung

Der Frauenanteil in Führungspositionen steigt nur sehr langsam.

(Foto: Oliver Berg/dpa)

Die Kanzlerin opponiert damit gegen den eigenen CDU-Wirtschaftsrat. Deren Präsidentin hält die Idee in der Wirtschaftskrise für kontraproduktiv.

Von Cerstin Gammelin, Berlin

Regierungssprecher Steffen Seibert hat am Montag dafür geworben, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Streit um eine Quote für Frauen in Vorständen etwas mehr Zeit zu geben. Merkel habe vergangene Woche gesagt, sie wolle dazu erst einmal mit Familienministerin Franziska Giffey (SPD) reden. In Berlin ist ein Streit darüber entbrannt, wie die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in der Berufswelt durchgesetzt werden kann. Die Kanzlerin hatte in der Regierungsbefragung am Mittwoch Sympathie für Überlegungen von Giffey und Justizministerin Christine Lambrecht (beide SPD) signalisiert, die Quote für Frauen auf mehr Unternehmen auszuweiten und eine Mindestvorgabe für Vorstände einzuführen. Sie halte es für absolut unzureichend, dass es noch börsennotierte Unternehmen gebe, in denen nicht eine einzige Frau im Vorstand sei. "Das ist ein Zustand, den kann man nicht vernünftig finden." Merkel hatte um ein bisschen Zeit gebeten, um sich mit den genannten Ministerinnen weiter zu beraten.

Vor allem mit Blick auf die gerade aufgedeckten Missstände am Finanzstandort Deutschland mehren sich die Rufe, auch die Vorstände aller wichtigen Entscheidungsteams in den deutschen Banken zu diversifizieren. "Es fällt schon auf, dass bei den großen Fällen von Finanzskandalen es fast ausschließlich Männer sind, die daran beteiligt waren", sagte Gerhardt Schick, Chef der Bürgerbewegung Finanzwende, der SZ. "Durch gemischte Teams können wir wahrscheinlich üble Fehlentwicklungen leichter korrigieren."

Im Ranking der europäischen Banken liegen die deutschen Geld-Institute mit einem Anteil von 0,00 Prozent Frauen an den Chefposten mit Malta ganz hinten, nach Griechenland. "Deutschlands Banken sind nicht nur angeschlagen, sondern an der Spitze weiterhin eine Männerdomäne", kritisierte Sven Giegold, Sprecher der deutschen Grünen im Europaparlament. "Unzählige Studien zeigen, dass mangelnde Vielfalt nicht nur ungerecht, sondern auch unwirtschaftlich ist." Der durchschnittliche Frauenanteil in den Chefetagen der Banken liegt europaweit bei 20 Prozent.

Trotz der Kritik ist der CDU-Wirtschaftsrat entschieden gegen die Überlegungen von Kanzlerin Merkel für eine Frauenquote in der Wirtschaft. Präsidentin Astrid Hamker sagte, man dürfe in der schwersten Wirtschaftskrise nicht "völlig kontraproduktive Themen für unser Land" vorantreiben. "Jetzt will die Bundeskanzlerin also auch noch die Frauenquote in der Wirtschaft durchsetzen, so als könnte man Ingenieurinnen und Naturwissenschaftlerinnen für industriellen Mittelstand backen." Man brauche selbstverständlich Diversität in den Unternehmen, "aber bitte nicht nach Gender-, sondern Kompetenzkriterien". Man dürfe nicht noch Vorstände und Geschäftsführungen aufblähen, um eine ideologische Quote durchzusetzen.

Deutschland will sich auch in der EU-Ratspräsidentschaft für mehr Gleichberechtigung in Europa einsetzen. Studien zufolge befördert eine feste Quote den Frauenanteil in Unternehmen erheblich. Aus den jüngsten Berichten über die Entwicklung des Frauen- und Männeranteils in Führungsgremien in der Privatwirtschaft und im Öffentlichen Dienst geht hervor, dass der Frauenanteil in Aufsichtsräten, die unter die Quote fallen, in diesem Jahr bei 35,2 Prozent liegt und damit über den gesetzlich vorgeschriebenen 30 Prozent. Beim Start der Quote 2016 lag er bei 25 Prozent. In der großen Mehrheit der Unternehmen, die nicht unter die Quote fallen, beträgt der Frauenanteil in Aufsichtsräten nur knapp 20 Prozent. Er ist seit 2016 nur um zwei Prozentpunkte gestiegen.

© SZ vom 07.07.2020
Pressefoto Hazel Brugger - nur zur Verwendung zum Interview!

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