Digitale Impfzertifikate:Warum so viele Impfpässe ausgestellt wurden

Corona: Was Genesene rund um die Impfung wissen müssen

Das digitale Impfzertifikat lässt sich per QR-Code entweder in die Corona-Warn-App der Bundesregierung oder in die dafür vom Robert-Koch-Institut entwickelte CovPass-App laden.

(Foto: Zacharie Scheurer/dpa)

Fast 80 Millionen digitale Impfpässe haben Praxen, Impfzentren und Apotheker seit Mitte Juni herausgegeben, dabei gibt es nur gut 40 Millionen Zweitgeimpfte. Woran liegt das?

Von Elisa von Grafenstein

Wer hat als Rucksacktourist nicht schonmal sein gelbes Impfheftchen abfotografiert oder eingescannt, falls es auf Reisen verloren oder beschädigt werden sollte? Zumindest für die Corona-Impfung ist das in Europa nicht mehr nötig. Dort können Reisende seit dem 1. Juli auch digital belegen, dass sie geimpft oder von Covid 19 genesen sind.

In Deutschland gibt es den digitalen Impfpass seit Mitte Juni. Haben jetzt also endlich alle den lang ersehnten digitalen Impfnachweis auf dem Handy? Wie viele Zertifikate wurden ausgestellt? Die Antwort des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) überrascht: Rund 80 Millionen digitale Zertifikate haben Apotheken, Impfzentren und Praxen zusammen bisher herausgegeben. Dabei sind erst gut 51 Millionen Menschen in Deutschland geimpft, gerade mal 43 Millionen davon zweitgeimpft. Wie geht das zusammen? Könnte gar Missbrauch im Spiel sein? Immerhin lässt sich mit den Ausweisen gut Geld verdienen.

Tatsächlich bekommen Geimpfte den Ausweis aber nicht nur einmal. "Es ist möglich, sich schon nach der ersten Impfung ein Zertifikat ausstellen zu lassen", sagt eine Sprecherin des BMG. Das scheinen viele in Anspruch zu nehmen. Auch seien Mehrfach-Ausstellungen denkbar. "Die bleiben unerkannt, weil aus Datenschutzgründen die Daten nicht zentral, sondern nur lokal auf dem Handy der Nutzer gespeichert werden." So könne es zum Beispiel passieren, dass jemand das Papier mit dem Barcode verloren hat - und sich ein neues ausstellen lässt. Wie viele Geimpfte tatsächlich einen digitalen Impfausweis besitzen, lässt sich also nicht sagen. Was sich schon sagen lässt: Das Ganze kostet viele Millionen Euro.

Schon die Genese des Zertifikats lief alles andere als reibungslos. Erst war lange unklar, ab wann der Nachweis überhaupt digital verfügbar sein wird. (Bewegung kam erst in die Sache, als längst Millionen Menschen in Deutschland geimpft waren.) Dann gab es Kritik daran, wie viel Geld Apotheker für die Ausweise bekommen - bis zu 24 Euro für Erst- und Zweitimpfung. Vergangene Woche nun mussten die Apotheken auch noch pausieren, ausgerechnet in der Hauptreisezeit, weil Sicherheitslücken bekannt geworden waren: Zwei IT-Experten hatten es geschafft, sich auf dem Portal des Deutschen Apothekerverbandes als Apotheke auszugeben und hätten so gefälschte QR-Codes für die digitalen Ausweise generieren können. Der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände zufolge können die Apotheken seit Ende der Woche wieder schrittweise damit beginnen, Zertifikate auszustellen. Alle erteilten Zugänge seien überprüft und verifiziert, die Rechtmäßigkeit bestätigt worden.

Voraussetzung für die Freizügigkeit innerhalb Europas ist der digitale Impfpass übrigens nicht. Wer mag, kann genauso gut mit dem alten Impfheft verreisen - er sollte es nur nicht verlieren oder ins Wasser fallen lassen. Aber das gilt ja auch fürs Handy.

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