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Bundesbank:EZB schwächt den Euro

Die Bundesbank untersucht die Folgen der gewaltigen Anleihekäufe durch die Europäische Zentralbank. Die Käufe der EZB hätten den Euro seit 2014 um 6,5 Prozent abgewertet, teilte die Frankfurter Behörde in ihrem Monatsbericht mit.

Weil die Europäische Zentralbank Anleihen in Billionenhöhe gekauft hat, hat der Euro gegenüber dem Dollar in den vergangenen drei Jahren kräftig an Wert verloren. Das zeigt eine Bundesbank-Studie. Die Käufe hätten den Euro seit 2014 um 6,5 Prozent abgewertet, teilte die Bundesbank in ihrem Monatsbericht mit. Die Auswirkung der EZB-Geldpolitik auf den Wechselkurs des Euro ist damit ähnlich groß wie die allmähliche Straffung der Geldpolitik in den USA; dadurch hab der Euro 6,8 Prozent an Wert verloren.

In ihrer Studie untersuchte die Bundesbank Reaktionen am Devisenmarkt auf die Ankündigungen der Euro-Wächter im Zeitraum 2014 bis Ende 2016. Die tatsächlichen Bondkäufe nach den EZB-Beschlüssen hatten laut Bundesbank dagegen keine signifikanten zusätzlichen Auswirkungen auf den Euro-Kurs. Die EZB betreibt zwar keine aktive Wechselkurspolitik. Eine Abschwächung des Euro kommt ihr aber nicht ungelegen. Denn dadurch verteuern sich etwa Importe in den Euro-Raum, was die aus EZB-Sicht zu niedrige Inflation antreibt. Zudem werden Produkte aus dem Währungsgebiet dadurch auf dem Weltmarkt konkurrenzfähiger, was der Exportwirtschaft zugutekommt.

Der Bundesbank zufolge drückten vor allem die ersten EZB-Beschlüsse zu den Anleihenkäufen bis Ende Januar 2015 den Euro zum Dollar - 4,2 Prozentpunkte errechneten die Experten. "Die Maßnahmen zur Ausweitung des Programms hatten dagegen tendenziell geringere Effekte auf den Euro-Kurs", so die Bundesbank. Mit den aktuell auf 2,28 Billionen Euro angelegten Wertpapiertransaktionen will die EZB die Konjunktur im Währungsraum stützen und die Inflation näher an die Marke von knapp zwei Prozent bringen.

2014 hatte der EZB-Rat den Kauf von Hypotheken-Papieren und Pfandbriefen angestoßen. Die Entscheidung zum Erwerb von Staatsanleihen fiel im Januar 2015. Im Jahr 2016 kamen noch Unternehmensanleihen hinzu. Die Bundesbank stand dem bereits zwei Mal verlängerten Kaufprogramm von Anfang an kritisch gegenüber. Die deutsche Wirtschaft startet laut Bundesbank mit Rückenwind ins Jahr 2017. "Das Wirtschaftswachstum in Deutschland dürfte im Jahresschlussquartal 2016 deutlich an Fahrt gewonnen haben", heißt es im Monatsbericht. "Dazu trugen sowohl binnen- als auch außenwirtschaftliche Faktoren bei."

© SZ vom 24.01.2017 / SZ, dpa, Reuters

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