Bundesbank Deutsche Sparer verlieren Geld

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann vor der Zentrale in Frankfurt am Main.

(Foto: dpa)
  • Erstmals seit sechs Jahren haben die deutschen Sparer wieder einen Vermögensverlust erlitten.
  • Grund dafür sind vor allem die zuletzt gefallenen Aktienkurse - und die Nullzinspolitik der EZB, die die Renditen schmälert.
Von Markus Zydra

Das Leiden der deutschen Sparer wird immer größer. Fallende Aktienkurse und Inflationsraten von mehr als 1,5 Prozent haben Privathaushalten hierzulande erstmals seit sechs Jahren wieder einen Vermögensverlust beschert. Das meldet die Bundesbank in ihrem Monatsbericht.

Demnach lag das Minus des deutschen Durchschnittshaushalts im ersten Quartal bei 0,8 Prozent. In die Bewertung dieses Vermögens fließen Bankeinlagen, Investmentfonds, Aktien und Versicherungsprodukte ein - Immobilien werden aufgrund ihrer komplizierteren Preisbestimmung nicht einbezogen.

Bei der Berechnung der Renditen orientiert sich die Bundesbank an der Struktur des Geldvermögens in Deutschland. Mehr als 40 Prozent der privaten Vermögen liegen demnach in Bankeinlagen und Bargeld. Ansprüche gegen Versicherungen, etwa in Form von Lebensversicherungen, machen etwa 30 Prozent aus, Aktien gerade mal knapp zehn Prozent.

Die Deutschen sind Aktien gegenüber traditionell recht kritisch eingestellt. Daran hat bislang selbst die Niedrigzinsphase nichts geändert, in der sich an den Börsen noch vergleichweise gute Renditen erzielen ließen. Im ersten Quartal 2018 sind die Aktienkurse jedoch gefallen, gleichzeitig liegen die Renditen von Bankeinlagen aufgrund der Nullzinspolitik der EZB so niedrig wie nie. Hinzu kommt, dass die Inflation in Deutschland stabil bei 1,5 bis zwei Prozent liegt, was die mageren Nominalrenditen weiter schmälert.

Negative Realzinsen hat es immer mal wieder gegeben

"Den Unmut der Sparer über die Niedrigzinsen kann ich gut verstehen. Ihre Altersvorsorge bauen Sie aber über mehrere Jahrzehnte auf. Das relativiert die aktuelle Zinssituation etwas", sagte Bundesbankpräsident Jens Weidmann der FAS. Er wies darauf hin, dass es negative Realzinsen auch schon in der Vergangenheit gegeben habe. Der Monatsbericht der Bundesbank nennt etwa die Gesamtjahre 2001 und 2008. Aber auch in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren zu D-Mark-Zeiten haben hohe Inflationsraten die nominalen Renditen aufgezehrt - bei damals sehr hohen Leitzinsen.

Laut Weidmann hat sich das Durchschnittsportfolio in Deutschland - auch in der aktuellen Nullzinsphase - insgesamt aber noch vergleichsweise ordentlich rentiert. Im Jahr 2016 waren es 0,9 Prozent, im Jahr darauf 1,4 Prozent. "Die Zinsen (werden) im Zuge der geldpolitischen Normalisierung auch wieder steigen", sagte Weidmann weiter, der im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) über den Kurs der Geldpolitik im Euroraum mitentscheidet. Zunächst aber dürfte die Nullzinsphase noch eine Weile andauern. Die EZB will frühestens im Herbst 2019 die Leitzinsen erhöhen.

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