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Bundesamt für Verbraucherschutz:"Wir haben jede fünfte Fleischprobe beanstandet"

Das mit Dioxin belastete Frühstücksei, Pestizid-Rückstände in Weintrauben, Paprika oder Erdbeeren, Keime im Fleisch, verunreinigter Formschinken für die Pizza - in Fachkreisen sind die Belastungen und Mängel von Lebensmitteln längst bekannt.

Christian Grugel, Präsident des Bundesamtes für Verbraucherschutz, will dennoch keine Alarmstimmung verbreiten: "Die Situationen, in denen die Gesundheit der Verbraucher akut gefährdet ist, sind rar."

Fleischprobe dpa

Ein Kontrolleur zeigt eine Fleischprobe mit Rinderhirn.

(Foto: Foto: dpa)

Sein Amt registriere jährlich nicht mehr als "einige hundert Fälle" - Tendenz in den vergangenen Jahren eher gleichbleibend.

Grugels Bericht zu den von den Lebensmittelbehörden der Bundesländer durchgeführten Kontrollen im vergangenen Jahr verderben den Konsumenten dennoch den Appetit.

Denn Mängel bei der Hygiene und bei der Kennzeichnung von Lebensmitteln bleiben in Deutschland auf der Tagesordnung.

Zahlreiche Verstöße

Jeder fünfte Betrieb, der Nahrungsmittel herstellt, verarbeitet oder verkauft, verstieß laut Bundesamt 2004 gegen lebensmittelrechtliche Bestimmungen.

Besonders viele Verstöße gab es bei Eis und Desserts. Von den knapp sieben Prozent der genommenen Proben waren mikrobiologisch verunreinigt. Bei Fleisch und Wurst bemängelten die Kontrolleure bei mehr als zwölf Prozent der Proben eine falsche Kennzeichnung, 4,5 Prozent wiesen zu hohe Keimzahlen auf oder waren bereits verdorben.

Mehr als eine Million Kontrollbesuche zählten die Ämter im vergangenen Jahr in 600 000 Betrieben. Überprüft wurde die Frittenbude an der Ecke genauso wie das Feinschmeckerlokal, Großhändler ebenso wie Fleischverarbeiter.

Strengere Kontrollen

Die Lebensmittelskandale der neunziger Jahre haben die Verbraucherschützer zu strengeren Kontrollen animiert. Das allein reicht aber nicht aus. Im Alleingang bleiben ihre Erfolge mäßig, weil die Ernährungsindustrie längst auf den globalen Zug aufgesprungen ist.

Im vergangenen Jahr machte der Außenhandelsumsatz der deutschen Lebensmittelwirtschaft im Vergleich zum Vorjahr einen Sprung um fast sieben Prozent auf mehr als 28 Milliarden Euro.

Mit den durch die fallenden Grenzen weltweit wachsenden Warenströmen sei ein deutlicher Informationsverlust über Herkunft und Verarbeitungsqualität der Lebensmittel verbunden, warnt Grugel. Nötig sei deshalb ein verstärktes Qualitätsmanagement der Unternehmen, das die vorgelagerten Stufen der Produktion mit einbezieht.

Schwer kontrollierbare Importe

Fehlende Kenntnisse der Lebensmittelimporteure über die tatsächlichen Bedingungen der landwirtschaftlichen Produktion und Verarbeitung sind aber längst noch kein "Schuldbeweis" für Verfehlungen von Produzenten aus Entwicklungsländern, die nun mit Macht auf den EU-Markt drängen.

So sind die Pestizid-Rückstände in Tafelweintrauben aus Europa weit höher als in Lieferungen aus Ländern der so genannten Dritten Welt.

Mehr Sicherheit setzt aber auch ein anderes Verbraucherverhalten voraus. Sensibilisiert durch die öffentlich gewordenen Skandale fordern zwar immer mehr Konsumenten eine höhere Lebensmittelqualität, doch die damit verbundenen höheren Preise akzeptieren die wenigsten von ihnen.

Im Gegenteil, deutsche Verbraucher geben im Durchschnitt nur noch rund zwölf Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel aus. In den siebziger Jahren dagegen waren es noch 30 Prozent.

Die Preise für Nahrungsmittel sind damit die niedrigsten in Europa - mit allen Folgen für Lebensmittelsicherheit und -qualität.