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Gerhard Schick und Jürgen Fitschen:Grüner gegen Bankchef

Gerhard Schick, gescheiter Finanzer der Grünen, diskutiert mit Deutsche-Bank-Chef Fitschen über die Macht der Konzerne. Was Showdown zwischen Antikapitalismus und Kapitalismus sein könnte, entwickelt sich zum Duellchen.

Von Claus Hulverscheidt, Berlin

Die Zeiten, in denen eine solche Begegnung in lautstarker Pöbelei geendet hätte, liegen so lange zurück, dass sich die Bilder nur noch schemenhaft vor dem inneren Auge einstellen wollen. "Da bin ich ganz bei Ihnen", ist einer der Sätze, der immer wieder fällt bei diesem vermeintlichen Duell, zu dem der Campus-Verlag Jürgen Fitschen, den Co-Chef der Deutschen Bank, und Gerhard Schick, den finanzpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, ins Deutsche Theater in Berlin geladen hat. Dass es dennoch ein interessanter Vormittag wird, ist dem klugen Buch geschuldet, das Schick verfasst hat und über das die beiden streiten sollen. Es heißt "Machtwirtschaft - nein danke!" und basiert auf dem Gedanken, dass immer weniger Konzerne und Banken immer mehr wirtschaftliche und politische Macht auf sich vereinen - zum Schaden der Bürger. Schuld sei die Renditegier der Manager und die Untätigkeit der Politik. Schick: "Eine Kampfansage an Großunternehmen." Als finanzpolitischer Sprecher repräsentiert er die dritte Führungsebene der Fraktion. Dass der Chef der Deutschen Bank dennoch sofort zusagte, als der Grünen-Mann ihn vor Wochen bat, bei der Buchvorstellung mitzuwirken, verrät etwas über Schicks Stellenwert im Berliner Betrieb. Für den Grünen, der zum linken Parteiflügel zählt, liegt eines der Grundübel der heutigen Zeit darin, dass die meisten großen Banken Ethik dem Renditestreben völlig untergeordnet hätten. Das könne man den Instituten nicht einmal vorwerfen, da sie von den eigenen Geldgebern dazu gedrängt würden. Fitschen hält das für einen Vorwurf von gestern: Langfristiger unternehmerischer Erfolg sei heute ohne Rücksicht auf die Ethik gar nicht mehr möglich, weil immer mehr Kunden die Einhaltung ethischer Standards schlicht einforderten. Noch deutlicher wird Fitschen beim Thema Bankenrettung. Zwar wehrt er sich gegen den pauschalen Vorwurf, die Banken allein hätten die Weltfinanzkrise ausgelöst. In Griechenland etwa habe eine bis über beide Ohren verschuldete Regierung die Finanzbranche in den Abgrund gezogen - nicht umgekehrt. Klar sein müsse aber auch: "Eine Bank muss pleite gehen können, die Aktionäre müssen bluten, und der Steuerzahler darf nie wieder zur Kasse gebeten werden."

Ein paar Punkte macht Schick im Laufe der Debatte aber auch: Als Fitschen etwa klagt, für die deutsche Politik sei das Glas trotz aller Regulierungsfortschritte immer halb leer statt halb voll, kontert er, es sei zwar löblich, dass die Deutsche Bank ihr Eigenkapital von 2,4 auf drei Prozent erhöht habe. Von den 20 Prozent vieler Mittelständler trennten sie aber weiter Welten, das Glas sei somit "noch längst nicht halb voll". Das klingt doch, wenn auch nicht nach einem Duell, zumindest nach einem Duellchen.

© SZ vom 14.02.2014/sks
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