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Buchpräsentation von Josef Ackermann:Von Reue keine Spur

Josef Ackermann

Buchvorstellung in Berlin: Der frühere Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, spricht Klartext.

(Foto: dpa)

"Späte Reue" heißt das Porträt über Josef Ackermann - bei der Buchpräsentation ist davon nichts zu merken. Stattdessen teilt der Ex-Deutsche-Bank-Chef tüchtig aus. Nach seinem Rücktritt bei Siemens und Zurich gibt er einen Hinweis über seine berufliche Zukunft.

Das Siegerlächeln hat er nicht verlernt. Josef Ackermann ist zur Präsentation eines Buchs gekommen. Er steht vorne im Saal eines Berliner Hotels und grüßt ins Blitzlicht. Das Buch, das er in den Händen hält, trägt den Titel "Späte Reue". Es ist ein Porträt über ihn. Geschrieben hat es Stefan Baron, ehemaliger Konzernsprecher der Deutschen Bank und immer noch sein Berater in Kommunikationsfragen. Alles scheint so zu sein wie früher. Die Fotografen, die Kameras. Ackermann lässt es über sich ergehen. Es fällt kaum auf, dass seine Augen an diesem Donnerstag nicht mitlächeln.

Es sind schwere Wochen, die der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank hinter sich hat. Wochen, in denen er nacheinander seine Posten als Verwaltungsratschef beim Schweizer Versicherer Zurich und als Aufsichtsratsmitglied bei Siemens aufgegeben hat. Nun tritt er erstmals wieder öffentlich auf.

Späte Reue? Das Wort kommt ihm heute nicht über die Lippen. Zumindest nicht bezogen auf den Selbstmord des Zurich-Managers Pierre Wauthier. Nüchtern und aufgeräumt erklärt Ackermann, dass ihn der Selbstmord völlig überrascht habe. "Dass ich aber in einem Brief des Verstorbenen dafür mitverantwortlich gemacht werde, muss ich entschieden zurückweisen." Nie zuvor habe sich Wauthier bei ihm oder irgendwem sonst über den Führungsstil beklagt. Wenngleich Ackermann einräumt, dass er angemahnt habe, dass sich einige Dinge bei Zurich verbessern müssten - auch gegenüber Wauthier. Er beeilt sich aber zu sagen: "Die, die dabei waren, bestätigen, dass es immer fair zuging."

Dennoch habe er sich entschieden, seinen Posten zu räumen. Er habe - auch wegen der Anschuldigungen von Wauthier und dessen Familie - keine Möglichkeit gesehen, sich mit seinen Reformplänen durchzusetzen. "Ich wäre in meiner Handlungsfreiheit eingeschränkt gewesen", sagt er. Dies sei letztlich der Grund für seinen Rücktritt gewesen. Was der Mensch Josef Ackermann zu den Geschehnissen denkt und wie er sich fühlt, verrät er nicht.

Hinter dem Siemens-Rückzug steckt eine empfindliche Niederlage

Stattdessen geht er schnell zum nächsten Rückzug über und bestätigt, dass er auch aus dem Aufsichtsrat von Siemens ausscheiden wird. Beide Entscheidungen stünden aber nicht miteinander in Zusammenhang, betont der 65-Jährige. Die beiläufige Art, wie Ackermann über Siemens spricht, könnte den Eindruck erwecken, dass es ihn nicht schmerzen würde, dieses Mandat niederzulegen. Doch tatsächlich steckt dahinter eine empfindliche Niederlage im Machtkampf gegen Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme.

Cromme steht selbst unter Druck, bei Thyssen-Krupp musste er alle Ämter niederlegen. In der Auseinandersetzung mit Ackermann versuchte er, wenigstens bei Siemens wieder in die Vorhand zu kommen. Ackermann spricht die Differenzen offen an, freilich ohne Namen zu nennen. "Wenn ich das Gefühl bekomme, dass es unfair zugeht - auch gegenüber Vorstandschefs -, dann ist das die einzige Situation, in der ich emotional werde, beruflich gesehen", sagt Ackermann. "Diskrepanzen in Stil und Fairnessfragen" hätten den Ausschlag dafür gegeben, dass er seinen Job bei Siemens aufgebe. Das ist ein Seitenhieb auf Cromme, der Siemens-Chef Peter Löscher vor die Tür gesetzt hat. Ackermann kritisierte die Art und Weise des Abgangs heftig. Zwischen beiden Managern, heißt es aus Kreisen des Aufsichtsrats, habe es "richtig geknallt".

"Seine Gier ist die Neugier"

Das Siemens-Mandat war für Ackermann der letzte sichtbare Posten in Deutschland. Das Land, in dem er so sehr um Anerkennung geworben hat. Das Land, von dessen Bürgern er sich nach dem Mannesmann-Prozess lange missverstanden fühlte und erst spät gewürdigt. Kommunikationsberater Stefan Baron beschreibt in seinem Buch, wie nah dem Manager diese Ablehnung gegangen ist. Es ist daher kaum verwunderlich, dass sich Ackermann von dem in Berlin vorgestellten Buch wünscht, "dass die Menschen mich besser verstehen".

Glaubt man dem Buch, dann hat Ackermann in den Jahren der Finanzkrise eine Metamorphose hingelegt: weg vom knallharten Kapitalisten hin zum Staatsmann, der sich nicht nur um Zahlen, sondern um Gesellschaftspolitik kümmert. Und so ist das Buch denn eine "Vom-Saulus-zum-Paulus"-Geschichte geworden. Lesenswert sind vor allem die Saulus-Passagen. Der Autor zeigt seinen Chef als eine ungeduldige, neugierige Person, deren Eitelkeit sich nicht bei Geld aufhält. "Seine Gier ist die Neugier", schreibt Baron.

Was Ackermann nach dem Rückzug bei Zurich und bei Siemens noch anzutreiben vermag? Er wolle sich nun darauf konzentrieren, einen Lehrstuhl zu finanzieren. Ob er dort auch selbst lehren will? Die Frage bleibt unbeantwortet.