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Buchhandel:Gemeinsam stark

Buchmesse Leipzig - Vorschau

Viele kleine Buchhändler können mit der Konkurrenz im Internet nicht mithalten. Eine Kampagne von Thalia soll ihr Überleben sichern.

(Foto: Jan Woitas/dpa)

Thalia, der größte deutsche Buchhändler, möchte die mittelständischen Kollegen retten - mit einem Partnerschaftsmodell, das die Branche verändern könnte. Das neue Angebot soll voraussichtlich im nächsten Jahr kommen.

"Welt, bleib wach" lautet das Motto einer Kampagne des Buchhändlers Thalia aus Hagen, der damit das Buch und das Lesen in der Gesellschaft stärken will. Thalia hält aber immer wieder auch die Buchbranche wach: 2013 brachte das Unternehmen gemeinsam mit anderen Buchhändlern das deutsche E-Book-Lesegerät Tolino auf den Markt und nahm dem Amazon-Pendant Kindle damit Anteile weg, und Anfang des Jahres wurde der Zusammenschluss mit der Aachener Buchkette Mayersche verkündet.

Derart gestärkt arbeitet der größte deutsche Buchhändler mit nun etwa 1,2 Milliarden Jahresumsatz und 350 Filialen im deutschsprachigen Raum an einem neuen Partnerschaftsmodell, an das unabhängige Buchläden andocken können. "Das ist für viele Buchhändler eine große Chance, ihre Überlebensfähigkeit zu sichern", sagte Thalia-Chef Michael Busch in Düsseldorf. Busch und Mayersche-Chef Hartmut Falter, der auch gerade mit dem praktischen Zusammengehen beider Buchhandelsunternehmen beschäftigt ist, denken nach dem Tolino-Erfolg an Kooperationsangebote auf verschiedenen Ebenen - Details dazu sind noch nicht ausgearbeitet.

Sie hoben explizit hervor, dass dies auch eine Gelegenheit für lokale Buchhändler sei, die nicht verkaufen wollen, ihr Geschäft trotzdem langfristig rentabel zu betreiben. Sowohl Thalia als auch die Mayersche haben in den vergangenen Jahren gezielt kleine Buchläden übernommen, deren Besitzer keinen Nachfolger gefunden haben. Dass er damit bislang unwillige Buchhändler über die Hintertür vielleicht doch noch übernehmen könnte, dieses Ansinnen wies Busch zurück. "In einer Stadt mit 30 000 Einwohnern ist mir ein unabhängiger Unternehmer lieber, der einen festen Kundenstamm hat", sagte er. Ihn reize es, auf diese Weise "in die weißen Flächen zu gehen".

Die neue Form der Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen hinweg sei auch keine Kampfansage an die Branche, im Gegenteil: Damit könne der Buchhandel seine Widerstandsfähigkeit gegen die Globalisierung, sprich Amazon, stärken. "Wir machen das, um langfristig stationären Buchhandel betreiben zu können", sagte Busch. "Es geht hier um die Frage, ob wir weiter einen familiengeführten Buchhandel in Deutschland möchten." Falter ergänzte: "Disruptive Aufgaben können wir am ehesten in Partnerschaften lösen." Die Alternative sei Amazon mit dramatischen Marktanteilen wie in den USA. Auch wenn noch keine Details bekannt sind - das Partnerschaftsmodell könnte, ähnlich wie beim Tolino, ein Umdenken im deutschen Buchhandel bedeuten. Das neue Angebot von Thalia-Mayersche soll voraussichtlich im nächsten Jahr kommen.

Thalia-Chef Busch verteidigt die umstrittene Kooperation mit Amazon zum Weltkindertag

Auch die im Januar verkündete Fusion der beiden Buchhandelsunternehmen Thalia und Mayersche geht voran, nachdem das Kartellamt den Deal im Mai genehmigt hat. Wichtig für die Kunden: Beide Markennamen sollen eigenständig weitergeführt werden. Die verschiedenen Typen der 55 Standorte - große, mittlere, kleine Buchläden - sollen erhalten bleiben. Und: "Es wird aufgrund unseres Zusammenschlusses keine Schließungen geben", versprach Falter. Priorität habe der Kunde, sagte er, der nun neben Busch auch geschäftsführender Gesellschafter ist. Deshalb gebe es für die Integration keinen detaillierten Zeitplan. 18 sogenannte Tandemteams sollen beide Unternehmen in verschiedenen Bereichen zusammenführen. Augenscheinlichste Veränderung ist eine größere Spielwarenabteilung bei Thalia - das Konzept stammt von der Mayerschen. Umgekehrt wollen die Aachener von den Erfahrungen Thalias im Internethandel profitieren. Falter betonte, dass sowohl Mitarbeiter als auch Kunden der Fusion sehr aufgeschlossen gegenüber seien. "Das war überraschend positiv, das habe ich so nicht erwartet." Unter einem gemeinsamen Dach haben Thalia und Mayersche nach eigenen Angaben einen Marktanteil von etwa 20 Prozent, allein Thalia steuert dazu 18 Prozentpunkte bei.

Busch verteidigte auch die umstrittene Kooperation mit Amazon zum Weltkindertag. Der US-Konzern will im September eine Million Märchenbücher zusammen mit Mayersche und Thalia sowie Hugendubel verschenken. Kritiker warfen dem Initiator "Stiftung Lesen" vor, eine Werbeaktion von Amazon zu unterstützen und kleine Buchhändler auszuschließen. Die Stiftung hat klargestellt, dass auch unabhängige Buchläden teilnehmen können. "Das ist eine Kampagne unter dem Dach Stiftung Lesen", sagte Busch. Er könne nicht einerseits die Branche dazu aufrufen, sich an der Thalia-Leseaktion "Welt, bleib wach" zu beteiligen. Und dann die Amazon-Initiative ablehnen. "Das ist unglaubwürdig, bei so einem Thema müssen wir an einem Strang ziehen."