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Buch:Er wartet auf den Knall

Unternehmer mit Revoluzzergeist: Götz W. Werner.

(Foto: Uli Deck/dpa)

Der dm-Gründer Götz W. Werner gibt in seinem neuen Werk Ökonomie-Nachhilfe und fordert nichts weniger als eine Revolution.

Götz W. Werner, der Gründer des dm-Drogeriemarktes, ist so etwas wie der Außenminister unter den deutschen Firmenbossen: bekannter und beliebter als viele seiner Zunft. Kein Wunder. Der rüstige Anthroposoph sitzt oft in Talkshows, gibt Interviews, zuletzt war er im Kino in der Aussteigerdoku "From Business to Being" zu sehen. Darin gleitet er im Boot über den Neckar und erzählt, was sich an der Welt ändern muss. Seit Jahren verbreitet er in Sachen Revolution vor allem eine Idee: die eines bedingungslosen Grundeinkommens (BGE).

Nun hat Werner, 73, ein neues Buch vorgelegt - und geht darin noch weiter als in seinem ersten Grundeinkommensplädoyer von 2007. "Sonst knallt's" heißt das Werk, das er mit den Finanzmarktexperten und selbst ernannten Querdenkern Marc Friedrich und Matthias Weik verfasst hat. Und während er einst das BGE als gute Alternative zum Sozialsystem schildert, sagt er zehn Jahre später: Es muss sich noch viel mehr ändern, sonst wird es sehr gefährlich für uns alle.

Um zu erklären, wie er darauf kommt, handelt er mit den Mitautoren wesentliche Schauplätze des gesellschaftlichen Großkampfes ab, vom geschröpften Mittelstand über Ungleichheit und Automatisierung bis zum lebenslangen Lernen, gespickt mit Zitaten von Bill Gates ("Banking is necessary, banks are not"), Albert Einstein und Aldous Huxley. Letztlich kommt Werner zwar auch hier, wen wundert's?, zum Ergebnis, dass das BGE "Schlussstein einer wahrhaft Sozialen Marktwirtschaft" ist, und zwar in Form einer negativen Einkommensteuer, die in einer Wellenmethode eingeführt wird: Erst profitieren einzelne Gruppen davon, dann wird es ausgedehnt auf zusätzliche Teile der Gesellschaft.

Das eigentlich Lesenswerte an dem Buch ist aber nicht diese Meinung, sondern der Parforceritt durch das deutsche Steuersystem, die Volkswirtschaft als Ganzes und den Wandel des Arbeitsmarktes im Speziellen. Nach reichlicher, informativer Betrachtung dieser Problemfelder plädieren Werner und seine zwei Kollegen nämlich auch dafür, die Finanzmärkte wesentlich stärker zu regulieren und die Zentralbanken unabhängiger zu machen. Sie fordern dafür eine "Monetative", eine Geldregierung, in Ergänzung zu den anderen drei Gewalten, als "echte vierte Gewalt", gewählt von Bürgern, gezwungen zu transparentem Handeln. "Die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts muss Geldpolitik lernen", schreiben sie. Und fangen deshalb schon mal mit den ersten Lektionen an. Und so mag sich so mancher Leser nach der Lektüre zwar immer noch nicht für ein Grundeinkommen und einen Staatsumbau erwärmen, aber weiß zumindest, wie Giralgeld entsteht und was die Staatsquote ist. Das ist schon deshalb gut, weil dafür selbst während Werners vieler Fernsehauftritte oft zu wenig Zeit ist.