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Bruttoinlandsprodukt:Euro-Staaten hängen Großbritannien ab

Während Volkswirte für die Euro-Zone ein Wachstum von 0,5 Prozent erwarten, stieg das BIP im Königreich um lediglich 0,3 Prozent.

Von Björn Finke, London

Die Wirtschaft in Großbritannien wächst, aber deutlich langsamer als auf dem Festland. Im zweiten Jahresviertel, von April bis Juni, nahm das Bruttoinlandsprodukt im Königreich um 0,3 Prozent zu, wie das Statistikamt am Mittwoch berichtete. Im ersten Quartal hatte das Plus bei 0,2 Prozent gelegen, die Konjunktur hat also leicht an Fahrt gewonnen. Doch im Vergleich zu den Staaten der Euro-Zone ist das wenig. Für diese Länder erwarten Volkswirte einen Zuwachs von 0,5 Prozent.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkte nun seine Wachstumsprognose für Großbritannien für das Gesamtjahr und rechnet lediglich mit einem Plus von 1,7 Prozent - etwas weniger als die 1,8 Prozent im Jahr 2016. Für die Euro-Staaten sagen die Washingtoner Fachleute 1,9 Prozent Wachstum im laufenden Jahr voraus. Während es also in der lange kriselnden Euro-Zone vorwärts geht, verliert die Konjunktur im wachstumsverwöhnten Großbritannien nach dem Brexit-Referendum an Schwung. Insgesamt nahm die Wirtschaftsleistung im Königreich im ersten Halbjahr um 0,7 Prozent zu: der niedrigste Wert seit 2012. "Die Wirtschaft hat in der ersten Jahreshälfte eine beträchtliche Verlangsamung durchlebt", sagte Statistikamt-Fachmann Darren Morgan.

Britische Unternehmer wissen nicht, welchen Bedingungen Geschäfte mit dem wichtigsten Handelspartner, der EU, nach dem Brexit 2019 unterliegen werden. Diese Unsicherheit belastet bereits die Investitionspläne vieler Firmen, wie eine Umfrage des Wirtschaftsverbands CBI ergeben hat. Und weniger Investitionen heißt wiederum weniger Wirtschaftswachstum.

Eine Stütze der Konjunktur waren lange die Verbraucher, denen die Ungewissheit nicht die Lust am Shoppen raubte. Doch weil das Pfund seit dem Referendum stark an Wert verloren hat, werden Importe teurer. Das schlägt sich inzwischen in höheren Preisen an den Supermarkt-Regalen nieder. Manche Briten schieben deswegen größere Anschaffungen auf. Auch das belastet die Wirtschaft im Lande.

© SZ vom 27.07.2017

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