Brutto- und NettoprämieWichtige Rechenspiele

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Bei Berufsunfähigkeitspolicen gibt es gravierende Preisunterschiede. Das teuerste Angebot ist aber nicht immer das beste.

Von Christian Bellmann, Köln

83,12 Euro bis 369,85 Euro - zwischen diesen Beträgen schwankt die Monatsprämie, die ein 35-jähriger Malermeister für eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) bei einem der 15 Anbieter zahlen müsste, die beim Versicherungs-Analyseunternehmen Franke & Bornberg am besten abgeschnitten haben . Dabei wurde angenommen, dass der Malermeister 36 000 Euro brutto im Jahr verdient und eine monatliche BU-Rente von 2000 Euro vereinbaren will. Ein 30-jähriger Bankkaufmann kommt günstiger weg. Er zahlt für eine monatliche Rente von 1500 Euro bei denselben 15 Top-Anbietern zwischen 68,14 Euro und 102,38 Euro.

Wie bei den meisten Versicherungen gilt: Das teuerste Angebot ist nicht immer das beste. Allerdings sollten Verbraucher bei einer so wichtigen Police auch nicht am falschen Ende sparen. Bei Vertragsabschluss eine niedrige monatliche Rente zu vereinbaren, nur damit der zu zahlende Beitrag möglichst gering ausfällt, kann sich im BU-Fall rächen, wenn dann das Geld nicht reicht. BU-Policen gehören zu den kostspieligsten Versicherungen. Das hat damit zu tun, dass es für den Versicherer richtig teuer wird, wenn der Kunde berufsunfähig wird. Er muss ihm dann bis zum Ruhestand monatlich eine Rente zahlen, also viele Jahre oder sogar Jahrzehnte.

Wenn es um den Preis geht, lohnt es sich für Verbraucher, vor Vertragsabschluss genau hinzusehen. Die Versicherer geben mit der Brutto- und der Nettoprämie zwei verschiedene Beträge an. Die Nettoprämie, auch Zahlbeitrag genannt, ist die Summe, die der Kunde monatlich zahlen muss. Darin sind Überschüsse berücksichtigt, die der Versicherer erwirtschaftet und dem Kunden gutschreibt. Diese sind aber nicht garantiert. Erwirtschaftet der Anbieter weniger Rendite als erwartet oder werden mehr Kunden berufsunfähig als angenommen, kann er die Prämie bis zum Bruttobeitrag erhöhen. Für den Malermeister bedeutet das: Aus 83,12 Euro im günstigsten Tarif kann eine Bruttoprämie von 122,24 Euro werden, aus den 369,85 Euro beim teuersten Anbieter bis zu 482,72 Euro. Verbraucherschützer raten zu Tarifen mit einem etwas höheren Nettobeitrag. Bei diesen kann die Prämie in der Regel nicht so stark steigen wie bei günstigen Tarifen.

Viele Tarife sehen eine Beitrags- beziehungsweise Rentendynamik vor. Dadurch steigen die Beiträge während der Laufzeit jährlich an - und gleichzeitig steigt auch die Höhe der Rente, die der Versicherer im BU-Fall zahlen würde. Damit erhält der Kunde einen Ausgleich für die Inflation, und der Vertrag berücksichtigt auch etwaige Gehaltserhöhungen. Ein Beispiel: Bei einer Police mit 1000 Euro Rente für einen Beitrag von monatlich 100 Euro zahlt der Kunde bei einer Dynamik von fünf Prozent im darauffolgenden Jahr 105 Euro pro Monat. Würde er dann berufsunfähig, bekäme er im Gegenzug 1050 statt 1000 Euro Rente. Bei einem BU-Fall nach zehn Jahren bekäme er mehr als 1600 Euro monatlich.

Der Kunde kann bei Vertragsabschluss zusätzlich eine garantierte Rentensteigerung vereinbaren. Wird er berufsunfähig, erhöht sich die Rente, die ihm der Versicherer dann monatlich zahlt, einmal im Jahr um einen bestimmten Satz, beispielsweise zwei Prozent. Dafür zahlt der Versicherte eine höhere Prämie - beispielsweise 115 statt 100 Euro. Insbesondere für Kunden, die in jungen Jahren berufsunfähig werden und somit über einen langen Zeitraum Leistungen erhalten, kann diese Klausel sinnvoll sein, damit die Rente mit den Jahren nicht an Wert verliert. Allerdings machen die Dynamik-Regelungen den Vertrag teurer, die Versicherer lassen sich die Anpassungen gut bezahlen.

© SZ vom 28.08.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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