Das English Breakfast ist nicht jedermanns Sache. Angebratener Speck, Eier, Champignons, Tomaten, Bohnen, Toast, Butter, Schweinswürstchen, dazu eine Scheibe Blutwurst, die im Vereinigten Königreich den niedlichen Namen black pudding trägt, und das alles auf nüchternen Magen. Das regional oft abgewandelte, aber stets reichhaltige Mahl hat allerdings zahlreiche eingefleischte Fans. Gerade wer es auf noch nicht ganz nüchternen Magen isst, schwört auf seine entkaternde Wirkung, und bei einer Umfrage vor vier Jahren nannte mehr als die Hälfte der Briten diese Frühstücksart den besten Start in den Tag.
So ist es kein Wunder, dass es manche Passagiere der Business Class von British Airways (BA) erzürnt, von der Fluglinie seit Mittwoch auf acht kurzen Strecken kein kostenloses English Breakfast mehr angeboten zu bekommen. Hunderte Kommentare unter der entsprechenden Luftverzehr-Meldung in der Online-Ausgabe der Times lassen sich zusammenfassen mit: ein Skandal, wie können sie nur, früher war alles besser, English Breakfast für jedermann.
Mäßigende Stimmen bemerken, dass ein lediglich einstündiger Flug von London nach Paris sich eben nicht für das Servieren heißer und umfangreicher Speisen anbietet. Bei der genannten Umfrage gab immerhin jeder Fünfte an, das Lieblingsfrühstück sei leider das am aufwendigsten zuzubereitende. BA argumentiert dann auch, die nun von dieser Aufgabe entbundenen Flugbegleiterinnen und -begleiter hätten viel mehr Zeit für die Passagiere. Tenor der echauffierten Chauffierten: Das ist doch nur eine Sparmaßnahme, und wer bitte braucht Zuwendung durch die Stewardessen, wenn er stattdessen ein Full English haben könnte?
Es ist nicht das erste Mal, dass Vielflieger Kritik am immer reduzierteren Service der britischen Fluglinie üben. In den vergangenen Jahren hat sie für Kunden der Economy Class auf Kurzstrecken das Essensangebot eingedampft und auf Langstrecken das ausgehändigte Necessaire gestrichen; den höherklassig Reisenden wurde der kostenlose Pyjama genommen, und manche Mittagsmenüs wurden durch einen „Great British Brunch“ ersetzt.
Jetzt aber trifft es ein heiliges Gericht, das bereits seit dem viktorianischen Zeitalter im 19. Jahrhundert die berüchtigte Kulinarik des Landes um eine weitere Fragwürdigkeit ergänzt. Später bekam es den Alternativnamen „Full Monty“, womöglich, weil der britische General Bernard Montgomery seine Tage während des Feldzugs in Nordafrika im Zweiten Weltkrieg mit einem English Breakfast einleitete. Dass dieses nun zumindest von der BA-Karte verschwindet, mag entsprechend am Traditionsbewusstsein etlicher Briten kratzen – ihrer Gesundheit schadet dieser Entzug indes nicht. Weil so ziemlich alles an ihm angebraten wird, ist das Gericht auch als fry-up bekannt und gilt ob dieser Zubereitung und den fettigen, salzigen, kalorienhaltigen und verarbeiteten Zutaten als Wegbereiter diverser Krebsarten. Auch die Bezeichnung „Herzinfarkt auf einem Teller“ ist in der Literatur zu finden.
Statt ihres Nationalgerichts bekommen die Business-Class-Gäste der britischen Fluglinie künftig übrigens ein Gebäck, einen Obstteller und ein Joghurt. Ein sogenanntes kontinentales Frühstück. Ausgerechnet.
Hinweis der Redaktion: In einer früheren Fassung hatten wir General Montgomerys Feldzug nach Südafrika verlegt, tatsächlich fand er in Nordafrika statt. Wir haben das im Text korrigiert.
