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Postverkehr:50 Prozent mehr Beschwerden über Brief- und Paketzustellung

Grafrath: Briefkasten in Thujen-Hecke

Viele Briefkästen leert die Post nur noch am Vormittag.

(Foto: Johannes Simon)
  • Die Bundesnetzagentur erhält deutlich mehr Beschwerden über unzuverlässige Postzustellungen.
  • Besonders oft beschweren sich Kunden über nachlässige Briefzustellungen.
  • Die Behörde spricht von einer "Qualitätsverschlechterung".

Von Benedikt Müller, Düsseldorf, und Jan Schmidbauer

Bei den Deutschen wächst der Ärger über unzuverlässige Brief- und Paketzustellungen. Wie aus einem internen Bericht der Bundesnetzagentur hervorgeht, über den zunächst die Saarbrücker Zeitung berichtet hatte, ist die Zahl der Beschwerden im vergangenen Jahr um 50 Prozent gestiegen. Ein Sprecher der Behörde bestätigte die Zahl auf Anfrage.

Die Aufsichtsbehörde hatte bereits im Dezember von vermehrten Beschwerden gesprochen, damals erwartete sie aber "nur" einen Anstieg von 25 Prozent. In der für die Post besonders arbeitsintensiven Weihnachtszeit hat sich die Zahl der Beschwerden aber nochmals drastisch erhöht. "Dass die Zahl steigt, hatten wir erwartet. Eine solch starke Zunahme haben wir allerdings nicht voraussehen können", sagte ein Sprecher der Behörde.

Mehr als die Hälfte der insgesamt 6100 Beschwerden beziehen sich auf die Briefbeförderung und -zustellung. Dort ist vor allem die Deutsche Post das Ziel von Beschwerden, das Bonner Unternehmen stellt mehr als 80 Prozent der Briefe in Deutschland zu. Die Bundesnetzagentur spricht von einer erheblichen "Qualitätsverschlechterung" in diesem Bereich. "In einigen Regionen gibt es nachhaltige Mängel, obwohl wir gesagt haben, dass die abgestellt gehören", teilte der Behördensprecher mit.

Die Bundesnetzagentur bemängelt vor allem, dass viele Briefkästen nur noch am Vormittag geleert würden. Bei 56 Prozent der rund 110 000 Briefkästen in Deutschland sei dies inzwischen der Fall. Auch werde die Sonn- und Feiertagsleerung abgebaut: "Dies dürfte mitursächlich sein für das gefühlte Ausbleiben der Briefzustellung an Montagen", schreibt die Behörde in dem Bericht.

Die Deutsche Post bestätigt, dass sie die Leerungszeiten ihrer Briefkästen regelmäßig an das Verhalten der Kunden anpasse. So lässt sie weniger frequentierte Briefkästen vormittags leeren statt nachmittags oder abends. In der Folge müssen Kunden ihre Briefe dort schon morgens einwerfen, damit diese am folgenden Tag zugestellt werden können. "Dasselbe gilt für einzelne ausgewählte Briefkästen in Orten mit einer hohen Briefkastendichte", sagte ein Post-Sprecher.

An einem durchschnittlichen Werktag stellt der Konzern 59 Millionen Briefe zu

Der Konzern betont, dass er die staatlichen Vorgaben der "Post-Universaldienstleistungsverordnung" dennoch erfülle. Diese legt fest, dass die Post mindestens 80 Prozent der Briefe am nächsten Werktag und 95 Prozent der Briefe am übernächsten Werktag zustellen muss (im Jahresdurchschnitt). Externen Untersuchungen zufolge kämen 94 Prozent der Briefe bereits am folgenden Werktag an, sagt der Postsprecher: "Das schafft kein anderes Postunternehmen in Europa." Dennoch könne die Post Unregelmäßigkeiten nicht ausschließen, etwa bei kurzfristigen Erkrankungen oder Witterungseinbrüchen.

Die Bundesnetzagentur bestätigt auf Anfrage, dass die Post die gesetzlichen Vorgaben einhält und im Bundesdurchschnitt ausreichend Briefe pünktlich ausliefert. In bestimmten Regionen bleibe das Unternehmen allerdings hinter den Vorgaben zurück. Die Aufsichtsbehörde bemängelt, dass es in solchen Fälle bislang keine Sanktionsmöglichkeiten gäbe. "Wir gehen jedem Fall nach, Bußgelder können wir aber nicht verhängen", sagte der Sprecher.

An einem durchschnittlichen Werktag stellt die Deutsche Post etwa 59 Millionen Briefe zu. Das Volumen ist in den vergangenen fünf Jahren allerdings um knapp acht Prozent zurückgegangen. Viele Leute verzichten zugunsten von E-Mails und anderen Kommunikationsformen auf das Verschicken von Briefen. Bei den Paketen läuft die Entwicklung genau anders herum. Hier sorgt die durch den Online-Handel massiv gestiegene Zahl von Paketen für Probleme bei der Zustellung.

© SZ.de/been/stein
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