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Brief des MAN-Chefs:"Wir werden unseren guten Ruf verteidigen"

In der Korruptionsaffäre bei MAN versucht Konzernchef Samuelsson seine Mitarbeitern in einem Brief aufzurichten. Er beschwört in harten Zeiten Traditionen.

Es war ein Festakt der Superlative, damals im Oktober 2008, als MAN seinen 250. Geburtstag feierte. Nicht irgendwo, sondern in der ehrwürdigen Münchner Residenz. Die Stimmung war grandios, Bundeskanzlerin Angela Merkel schwor auf "Made in Germany" und die italienische Sopranistin Cecilia Bartoli sang dazu. Für MAN-Chef Hakan Samuelsson war es wohl einer der größten Tage in seiner Karriere.

MAN-Chef Hakan Samuelsson: Die Mitarbeiter "vor Schaden und übler Nachrede zu bewahren".

(Foto: Foto: dpa)

Ein halbes Jahr später ist nichts mehr wie es war - und der Schwede bemüht sich um Schadensbegrenzung. In einem Brief an die Belegschaft, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt, geht es vor allem um eines: Die über 50.000 MAN-Mitarbeiter zu motivieren - in einer "herausfordernden Zeit", wie Samuelsson schreibt.

Man werde "nicht akzeptieren, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter generell unter Verdacht gestellt werden". Am Duktus fällt vor allem auf: Der Chef, der als Modernisierer bekannt ist, beschwört in harten Zeiten Traditionen.

Lange Firmengeschichte

"Der Name MAN hat einen guten Klang", schreibt er in Anspielung auf die lange Geschichte des Unternehmens. Damit dies so bleibe, würde "gesetzes- und regelwidriges Verhalten in unserem Unternehmen nicht geduldet". Und: "Wir werden unseren guten Ruf verteidigen".

Nicht zufällig wendet sich Samuelsson an all die vielen Kollegen, die wohl selbst vom jüngsten Korruptionsverdacht überrascht wurden. Es gehe darum, die Mitarbeiter "vor Schaden und übler Nachrede zu bewahren". Eine Lehre aus der Siemens-Affäre: Je stärker sich hier der Skandal Ende 2006 ausweitete, desto mehr wurde Siemens in der öffentlichen Meinung zu einem Synonym für Bestechungspraktiken.

An einer Stelle spricht Samuelsson davon, "individuelles Fehlverhalten offenzulegen". Das lässt aufhorchen. Denn es besteht bei den Ermittlern offenbar der Verdacht, dass schon wie bei Siemens auch bei MAN ein organisiertes System hinter der Bestechung stehen könnte.