Brexit:Kann der Brexit der britischen Wirtschaft auch helfen?

Könnte sich der Brexit nicht auch positiv auf die britische Wirtschaft auswirken?

Das glauben die Brexit-Befürworter. Doch die Briten müssen regeln, wie sie künftig mit der EU handeln wollen. Es gibt drei Möglichkeiten. Erstens: Großbritannien wird behandelt wie Norwegen; ist also nicht Mitglied in der EU, aber im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR). London müsste EU-Vorschriften umsetzen, ohne mitbestimmen zu können. Zweite Möglichkeit: gar kein Abkommen. Exporte laufen dann gemäß den Regeln der Welthandelsorganisation ab. Da wäre der wirtschaftliche Schaden im Vergleich zur Mitgliedschaft am größten. Das dritte Modell ist ein eigenes neues Freihandelsabkommen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU. Das ist die Lieblingsvariante der Pro-Brexit-Fraktion. Bei der Rating-Agentur Standard & Poor's geht man aber wohl nicht davon aus, dass sich diese Hoffnung erfüllt: Kurz nach der Bekanntgabe des Brexit-Ergebnisses kündigte ein Sprecher bereits an, dass Großbritannien "sehr wahrscheinlich" sein AAA-Rating verlieren werde.

Was bedeutet der Brexit für die TTIP-Verhandlungen?

Ohne Großbritannien fehlt so etwas wie der europäische Brückenkopf in die USA. Die Briten sind seit jeher den Amerikanern verbunden - und dem Freihandel. Sie haben weniger starke Schutzbedürfnisse als andere Staaten in der EU.

Welche Branchen fürchten den Brexit besonders?

Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Großbritannien sind eng. So wird beispielsweise jedes fünfte in Deutschland produzierte Auto nach Großbritannien verkauft. Oder andersherum: Autos deutscher Marken haben auf der Insel einen Marktanteil von etwa 50 Prozent. Auch die Elektro- und Maschinenbauindustrien fürchten in Großbritannien um einen ihrer wichtigsten Absatzmärkte. Neben der Exportwirtschaft sind aber auch Unternehmen mit Niederlassungen auf der Insel betroffen: Zu den größten deutschen Arbeitgebern dort gehören die Deutsche Post (DHL) mit 48 000 Mitarbeitern, die Deutsche Bahn (Arriva) mit 25 000 Beschäftigten und der Pharmakonzern Celesio mit 20 000.

Besonders hart könnte der Brexit die Finanzbranche treffen: Banken brauchen für Dienstleistungen innerhalb der EU rechtlich selbständige Tochterbanken mit Sitz in einem EU-Staat. Derzeit können sie grenzüberschreitend frei agieren. Durch den Brexit werden Handelsbarrieren befürchtet. Einige Banken hatten bereits angekündigt, ihren europäischen Hauptsitz im Falle eines EU-Austritts Großbritanniens in ein anderes Land zu verlegen.

Viel steht auch für die Deutsche Börse auf dem Spiel. Sie will sich mit dem Londoner Konkurrenten LSE zusammenschließen. Das Anteilsverhältnis ist schon festgezurrt. Der Deal könnte für den Frankfurter Marktbetreiber nun teuer werden, falls die Londoner Börse wegen des Brexits massiv an Wert verlieren sollte.

Mit Material von dpa, AFP und Reuters

© SZ.de
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