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Brexit:Roaming kehrt zurück

Die britische Regierung bereitet ihre Bürger auf die Zeit nach dem Brexit vor. Dazu startet sie eine große PR-Kampagne. Bislang merken die Briten so gut wie nichts von dem Ausstieg, obwohl Großbritannien die EU längst verlassen hat.

Von Alexander Mühlauer, London

Großbritannien hat die EU zwar am 31. Januar verlassen, aber bislang merken die Bürger davon so gut wie nichts. Das liegt zum einen an der bis Jahresende laufenden Übergangsphase, in der sich de facto nichts ändert; zum anderen liegt es an der britischen Regierung, die es bisher nicht für nötig gehalten hat, ihre Landsleute auf das vorzubereiten, was sie danach erwartet. Doch damit ist nun Schluss: Im ganzen Land startet nun eine Werbekampagne, der die Briten auf die nicht gerade positiven Veränderungen aufmerksam machen soll. So müssen die Bürger nicht nur darauf achten, dass ihr Reisepass mindestens sechs Monate gültig ist, wenn sie von 2021 in die EU reisen; sie müssen dann auch mit hohen Roaming-Gebühren rechnen, wenn sie im Urlaub in Spanien oder Frankreich mit ihrem Handy telefonieren. Auch für Haustiere gelten erschwerte Einreisebestimmungen. Und die EU-Gesundheitskarten, die eine gewisse Kostenübernahme bei Krankenhausaufenthalten garantieren, werden ungültig.

Weil das allesamt keine guten Nachrichten sind, versucht die Regierung die Landsleute mit einer Art Durchhalteparole bei Laune zu halten: "Let's get going" heißt der Slogan der Strategen aus Downing Street. In britischen Medien ist von einem "Werbe-Blitz" die Rede, der nun im Vereinigten Königreich einschlagen soll. Während die Regeln für Bürger relativ klar sind, ist die Unsicherheit für die Wirtschaft weiterhin groß. Denn ob es mit der EU künftig ein Freihandelsabkommen gibt, dürfte sich erst im Herbst zeigen. In London und Brüssel gehen die Verhandler davon aus, dass es erst im Oktober Klarheit darüber geben dürfte, ob es zu einem Deal kommt. Doch selbst wenn sich beide Seiten darauf verständigen, dass es keinerlei Zölle gibt, müssen sich die Unternehmen auf Kontrollen an der Grenze vorbereiten. Dort gilt es dann von 2021 an Waren und Frachtpapiere zu überprüfen. Zu diesem Zweck soll in der Grafschaft Kent ein Lkw-Checkpoint errichtet werden. Die gesamten Kosten für das neue Grenzmanagement und die dafür nötigen Mitarbeiter liegen laut Regierung bei 705 Millionen Pfund (umgerechnet etwa 788 Millionen Euro).

Der Brexit hat seinen Preis, das wird sich auch in der Wirtschaftsleistung des Landes niederschlagen. Um die negativen Auswirkungen des EU-Austritts abzumildern, die sich wegen der Corona-Krise noch verstärken, hat sich die Regierung einen besonderen Konsumanreiz einfallen lassen. Wer im August von Montag bis Mittwoch bis zu zehn Pfund für Essen und Trinken ausgibt, zahlt bei den an der Aktion teilnehmenden Restaurants, Pubs und Take-Away-Läden nur die Hälfte. Die anderen 50 Prozent übernimmt der Staat, der das Geld direkt an die Firmen überweist. Auch dafür hat sich die Regierung einen Slogan überlegt: "Eat out to help out". Man kann davon ausgehen, dass dieser bei den Bürgern besser ankommen dürfte als "Let's get going".

© SZ vom 14.07.2020

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