Brexit Lieber breit streuen

Händler an der Frankfurter Börse verfolgen die Entwicklung um die Austrittsverhandlungen Großbrittanniens aus der EU ganz genau.

(Foto: Alex Kraus/Bloomberg)

Der Ausgang des Brexit ist noch immer ungewiss. Mit der passenden Strategie können ETF-Anleger die Risiken besser abfedern.

Von Norbert Hofmann

Vor gut zwei Jahren hat die britische Regierung offiziell den Austritt aus der EU erklärt, doch ein Scheidungstermin ist immer noch nicht in Sicht. Nachdem sich Großbritannien eigentlich schon im März verabschieden wollte, wurde die Austrittsfrist jetzt bis zum 31. Oktober verlängert. Anleger müssen deshalb weiter mit vielen Fragezeichen rund um das Exit-Drama leben. Wer über börsengehandelte Fonds (ETF) marktbreit in europäische Aktien oder auch gezielt im britischen Aktienmarkt investiert, kann von den Folgen für die Wertpapierindizes ebenso betroffen sein wie von den Währungsschwankungen zwischen Britischem Pfund und dem Euro.

Kommt es doch zu einem No-Deal-Brexit? Für die britische Währung und die Kursperspektiven der im britischen Standardwerteindex FTSE 100 gehandelten Aktien würde das nichts Gutes verheißen. Schlechte Nachrichten könnten auch die europäischen Kapitalmärkte insgesamt in Mitleidenschaft ziehen. "Die Unsicherheit, wie es mit dem Brexit weitergeht, wird anhalten und zu zeitweise höheren Schwankungen an den Börsen führen", erwartet ETF-Experte Hermann Pfeifer von Amundi.

Welche Turbulenzen das Hin und Her um den Austritt verursachen kann, haben die Devisenmärkte seit Jahresbeginn vor Augen geführt. Nachdem sich das Britische Pfund angesichts zeitweiliger Hoffnungen auf eine Verhandlungslösung etwas erholt hatte, ist es im Mai wieder erheblich unter Druck geraten und bewegt sich gegenüber dem Euro mittlerweile in der Nähe des Jahrestiefs. Auch am Aktienmarkt geben UK-Werte in jüngster Zeit ein schlechteres Bild ab. Zwar hatte der FTSE 100 Mitte Juni im Zwölfmonatsvergleich mit einem Minus von fünf Prozent sogar eine leicht bessere Performance vorzuweisen als der Deutsche Leitindex Dax (minus sieben Prozent), seit Jahresbeginn aber haben Dax-Aktien deutlich stärker zugelegt als die Titel des britischen Leitindex.

Es gibt auch Möglichkeiten, auf eine Erholung der britischen Währung zu setzen

Pfeifer verweist darauf, dass Anleger zur Minimierung des Brexit-Risikos mehrere Möglichkeiten haben. Sie können beispielsweise auf Euro-Zonen-Aktienindizes oder auf europäische Aktienindizes ex (ohne) Großbritannien setzen. "Im Index MSCI Europe etwa mit seinen insgesamt 440 Aktien sind Titel aus dem Vereinigten Königreich mit einem Anteil von 27 Prozent gewichtet", verdeutlicht Dag Rodewald, ETF-Experte bei UBS, das Brexit-Risiko. Wer mit einer Korrektur des UK-Aktienmarkts rechnet, könne das reine Aktienrisiko durch Umschichten in einen ETF auf den MSCI Europe ex UK umgehen. Das Investment ist dann allerdings etwas weniger breit gestreut.

ETF-Anleger, die Positionen in britischen Aktien halten, müssen auch das Währungsrisiko berücksichtigen. Wer vorbeugen will, schichtet in eine währungsgesicherte ETF-Variante des MSCI Europe um. Eine solche Absicherung können auch Anleger nutzen, die weiter an britische Aktien glauben und in diese mit einem ETF auf den Index MSCI UK investieren. "Die den ETF belastende Gesamtkostenquote des ETF erhöht sich dann leicht um zehn Basispunkte, also etwa von 0,2 auf 0,3 Prozent", sagt Rodewald. Es gibt aber auch Möglichkeiten, auf eine Erholung der britischen Währung zu setzen. Dazu könnte es vielleicht kommen, wenn sich eine weniger dramatische Lösung als die eines No-Deal-Brexit abzeichnet. "In diesem Fall bietet es sich für ein europaweit ausgerichtetes Investment an, einen MSCI Europe zu erwerben, der Währungsverluste des Euro gegenüber dem britischen Pfund absichert", sagt Rodewald.

Für alle, die positive Perspektiven für die britische Wirtschaft sehen, bieten in Pfund notierende ETF eine einfache wie effiziente Lösung. "Mit ihnen können Anleger in einer einzigen Transaktion ein breites Großbritannien-Engagement eingehen und von potenziellen Kursen sowohl in den Marktsegmenten als auch beim Pfund profitieren", sagt Pfeifer. Das gelte für die Aktienseite ebenso wie für Anleihe-ETF. "Sollte ein Abkommen ausgehandelt oder der Artikel 50 - der den Ablauf des Brexit regelt - aufgehoben werden, erwarten wir positive Effekte für das Pfund und das Wachstum", so Pfeifer. Das allerdings ist ungewiss, und die Risiken sind hoch. Derzeit fürchten nicht wenige Marktbeobachter infolge der Brexit-Unsicherheit eher weitreichende Verwerfungen. Zwei der in Europa führenden ETF-Anbieter, Lyxor und Blackrock (Marke iShares), melden Mittelabflüsse aus Produkten auf europäische Aktien.

In den USA können Anleger neuerdings sogar mit einem Indexfonds gezielt auf die Folgen des weltweit zunehmenden Protektionismus setzen. Der "Innovation Alpha Trade War ETF" bildet einen Index nach, in dem vermeintliche Profiteure von Handelskriegen enthalten sind. Ob das nur eine Marketingidee ist oder wirklich Renditevorteile bringt, muss sich erst noch zeigen. Wenn es um das Brexit-Drama geht, können deutsche Anleger das Risiko für die europäischen Aktienmärkte auch mit einer relativ einfachen Lösung abfedern. Wer ein ETF auf den MSCI World Index kauft, investiert breit gestreut in mehr als 1600 Titel aus 23 Ländern. Darin sind zwar Großbritannien und andere europäische Märkte enthalten, aber in diesem Index haben unter anderem auch die USA und Japan ein starkes Gewicht.