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Brexit:Frankfurt profitiert

Skyline von Frankfurt: In der Stadt haben die Deutsche Börse sowie Deutsche Bank und Commerzbank ihren Sitz.

(Foto: Christian Salow/Unsplash)

Die Heimatstadt der deutschen Börse gehört wieder zu den zehn wichtigsten Finanz-Standorten der Welt.

Noch ist der Austritt Großbritanniens aus der EU vergleichsweise frisch. Die Folgen sind aber bereits zu spüren. Das zeigten vergangene Woche etwa Zahlen des britischen Statistikamts ONS: Im Januar sind die britischen Exporte in die EU um 40,7 Prozent eingebrochen. Auch die Importe aus der EU gingen um 28,8 Prozent zurück.

Doch natürlich gibt es auch Profiteure des Brexit. Einer davon ist der Finanzstandort Frankfurt. Er hat vom EU-Austritt der Briten profitiert und sich zum wichtigsten Finanzplatz in Kontinentaleuropa aufgeschwungen, wie eine neue Analyse jetzt zeigt. Im Ranking des Global Financial Centres Index (GFCI) schaffte es die Bankenstadt am Main auf Platz 9 der weltweit bedeutendsten Finanzplätze und lag damit vor Zürich, Paris und Luxemburg, wie am Mittwoch aus der GFCI-Studie hervorging, die halbjährlich vom Beratungshaus Z/Yen Group erhoben wird.

Wegen des Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union zog es in den vergangenen Jahren zahlreiche Banken nach Frankfurt. Nach Angaben der Finanzaufsicht Bafin wurden fast 60 Lizenzen für Finanzinstitute und Versicherungskonzerne vergeben, die ihren Hauptsitz von London in die hessische Stadt verlegten. Tausende neue Jobs sind in der Region entstanden. Außerdem verlegten international tätige Institute wie JPMorgan Vermögenswerte dorthin.

Die Stadt, in der die Deutsche Börse sowie die beiden großen Institute Deutsche Bank und Commerzbank ihren Sitz haben, hat es schon einmal unter die weltweite Top Ten des GFCI geschafft - zuletzt war das im März 2019 der Fall. "Frankfurt hat in den vergangenen zwei Jahren in Bezug auf die Bewertung im Index mehr Punkte gesammelt bei der Entwicklung des Finanzplatzes, der Infrastruktur und dem Geschäftsumfeld für Banken", sagte Mike Wardle, Direktor des Beratungshauses Z/Yen Group.

Gerhard Wiesheu, Präsident der Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance, räumte ein, dass nach dem Brexit noch viel im Fluss sei. "Dieser Zustand ist labil und wir dürfen keineswegs die Hände in den Schoß legen."

Der weltweit wichtigste Finanzplatz bleibt der GFCI-Erhebung zufolge wenig überraschend New York. London verlor zwar einige Punkte, schaffte es aber immer noch auf Platz zwei, allen Brexit-Wirren zum Trotz. Danach folgen im Ranking die asiatischen Metropolen Shanghai, Hongkong, Singapur, Peking, Tokio und Shenzhen. Frankfurt verdrängte die US-Westküstenstadt San Francisco aus den Top Ten. Der Global Financial Centres Index wurde zum 29. Mal erhoben. Weltweit wurden 126 Finanzzentren untersucht nach Kriterien wie Infrastruktur, Rechtssicherheit, Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften und Lebensqualität.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir Frankfurt am Main fälschlicherweise als hessische Landeshauptstadt bezeichnet. Das ist natürlich Wiesbaden.

© SZ vom 18.03.2021 / Reuters/cat
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