Brexit Der Brexit erschüttert die Deutsche Bank - und ein Brite muss sie retten

Seit einem Jahr leitet er die Deutsche Bank: John Cryan.

(Foto: Bloomberg)

Der Deutschen Bank geht es schlecht, erst recht durch das Brexit-Votum. Ihr Chef John Cryan soll sie nun aus der Krise führen.

Von Andrea Rexer, München, und Meike Schreiber, Frankfurt

Er ist nicht gerade als Optimist bekannt. Doch in diesem einen Fall war der Chef der Deutschen Bank endlich auch einmal zuversichtlich. Der Brite John Cryan war fest davon überzeugt, dass seine Landsleute für den Verbleib in der EU stimmen würden. Doch er lag daneben. Als am Freitagmorgen die Ergebnisse vorlagen, trat er sichtlich getroffen vor die hauseigene Kamera: "Es schmerzt mich, dass Europa für viele meiner Landsleute offenbar an Attraktivität verloren hat", ließ er per Videobotschaft verkünden. Das Votum sei ein klares Signal an die EU, näher an die Menschen zu rücken, die Demokratie zu stärken.

Er ist nicht nur persönlich getroffen, sondern auch sein Institut: Der Aktienkurs der Deutschen Bank ist seit Freitag um mehr als 15 Prozent gefallen. Die Aktie erreichte am Montag ein neues Rekordtief: Sie lag bei unter 13 Euro, der schlechteste Wert in der Geschichte des Dax. Und ein EU-Austritt Großbritanniens könnte die Lage noch weiter verschärfen: London ist für die Deutsche Bank nach Frankfurt der wichtigste Standort, 8000 Leute arbeiten dort, die Investmentbank wird von dort gesteuert. Kein Wunder also, dass der Brexit Cryan Sorgenfalten auf die Stirn zeichnet.

Auch die Politik sucht inzwischen den Kontakt zu Cryan

Er muss nun wichtige Entscheidungen treffen: Verlagert er Geschäftsbereiche zurück nach Frankfurt? Und was tun, wenn das Alltagsgeschäft noch viel stärker leidet? Einige Andeutungen hat Cryan bereits gemacht, was das für die Deutsche Bank bedeuten könnte.

Doch auch für seine persönliche Rolle in Deutschland könnte der Brexit entscheidend sein. Zu Beginn seiner Amtszeit hielt Cryan sich politisch zurück. Er sagte, es sei nicht zeitgemäß, einen engen Kontakt zur Politik aufzubauen. Der Brexit jedoch alles ändern. Zum ersten Mal in seiner Amtszeit ging Cryan mit einer politischen Botschaft an die Öffentlichkeit. In der europäischen Politik wurde das Signal zur Öffnung bereits bemerkt. Erste Gesprächsanfragen gebe es bereits, ist in informierten Kreisen zu hören. Am Ende könnte es ein Brite sein, der Angela Merkels Regierung beim Umgang mit dem Brexit berät.

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