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Brexit:Das sind die wirtschaftlichen Folgen des Brexit

Der Brexit wird gravierende Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft haben.

(Foto: AFP)

Wird der Urlaub in London nun billiger? Was bedeutet der Brexit für den Export? Und was passiert mit dem Sky-Abo? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Von SZ-Autoren

London-Touristen freuen sich über den neuen Pfundkurs, die Immobilienmakler der Stadt sind dagegen in Panik: Der Brexit betrifft große Teile der Wirtschaft. Die Unsicherheit ist groß. Drängende Fragen - und erste Antworten.

Was müssen Sparer jetzt wissen?

Wer sein Geld in Aktien investiert hat, ärgert sich immer über Kursstürze. Anleger sollten aber langfristig denken. Auch nach der Finanzkrise 2008 haben sich die Werte weltweit wieder erholt. Die Frage ist, ob der Brexit eine große Wirtschaftskrise auslöst. Dafür spricht, dass gerade völlig unklar ist, wie es weitergeht. Das verunsichert Firmen und Verbraucher, ist also Gift für die Konjunktur. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung senkte seine Konjunkturprognose für Deutschland für das kommende Jahr deutlich um 0,5 Prozentpunkte. Wenn der Brexit halbwegs geplant vollzogen wird, könnte die Planungssicherheit zurückkommen.

Wie reagieren deutsche Exporteure?

Für deutsche Unternehmen wird es mittelfristig schwieriger, mit Großbritannien Geschäfte zu machen. Handelserleichterungen fallen möglicherweise weg, es könnte neue Zölle geben. Wird der Euro stärker, werden deutsche Waren teurer und unattraktiver. Deutschland exportierte 2015 Waren im Wert von 90 Milliarden Euro ins Königreich. Großbritannien ist nach den USA, China, Frankreich und den Niederlanden wichtigster Handelspartner Deutschlands. 2500 deutsche Unternehmen haben Niederlassungen in Großbritannien und beschäftigen 370 000 Mitarbeiter.

Wie reagieren die Notenbanken?

Die britische Zentralbank hat zugesichert, alles zu tun, um das Finanzsystem zu stabilisieren. Auch die Europäische Zentralbank werde "falls nötig zusätzliche Liquidität in Euro oder ausländischen Währungen zur Verfügung stellen". Die Schweizer Nationalbank intervenierte am Morgen am Devisenmarkt, um den starken Anstieg des Franken zu bremsen. Investoren flüchteten in die Schweizer Währung.

Wird Urlaub in London jetzt billiger?

Weil das britische Pfund stark an Wert verloren hat, wird der Aufenthalt in Großbritannien zunächst billiger. Allerdings verändern sich Preise über die Zeit. Ein Beispiel: Französische Weine in Euro werden nun teurer in Pfund. Das heißt, dass Londoner Restaurants mittelfristig ihre Weinpreise erhöhen werden.

Kommt man noch mit dem Billigflieger auf die Insel?

Für Easyjet ist die Lage riskant. Die Airline betreibt viele Strecken zwischen Großbritannien und der EU sowie innerhalb der künftigen kleineren Union. Noch ist aber völlig unklar, wie die Verkehrsrechte zwischen England und Europa künftig geregelt werden. Für Ryanair als irisches Unternehmen ist die Lage besser. Nur die Streckenrechte von und nach Großbritannien müssten neu verhandelt werden, in Europa kann Ryanair weiter expandieren.

Was bedeutet der Brexit für Deutsche, die in London arbeiten?

Mehr als zwei Millionen Menschen aus EU-Staaten verdienen ihr Geld in Großbritannien. Falls bei den Austrittsverhandlungen die Freizügigkeit erhalten bleibt, dürfte sich für Arbeitnehmer wenig ändern. Falls nicht, drohen strenge Regeln: Menschen aus Nicht-EU-Ländern haben in Großbritannien nur dann Chancen auf ein Arbeitsvisum, wenn sie hoch qualifiziert sind und vergleichsweise viel verdienen - umgerechnet mindestens 44 000 Euro im Jahr. Gilt diese Regel künftig auch für EU-Bürger, sind besonders Beschäftigte in der Gastronomie und Hotellerie betroffen. Sie könnten keine Aufenthaltserlaubnis mehr erhalten.

Und was sind die Folgen für Briten in Deutschland?

Auch für die mehr als 100 000 Briten hierzulande sind die Folgen des EU-Austritts noch nicht absehbar. Ein mögliches Szenario, vor dem die britische Regierung bereits im Februar gewarnt hatte: britische Berufsabschlüsse könnten in der EU künftig nicht mehr anerkannt und Pensionsansprüche sowie der Zugang zum Gesundheitssystem eingeschränkt werden.

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