bedeckt München 31°

Brausehersteller:Figurbewusste Flaschen

Coca-Cola - Round One

Kleinere Flaschen statt weniger Zucker: Coca-Cola und andere Brausehersteller in den USA wollen in Zukunft Kalorien sparen.

(Foto: AFP)

Coca-Cola und Pepsi machen dick - das ist inzwischen auch in den USA angekommen. Um die Kunden trotzdem bei der Stange zu halten, tüfteln die größten Brausehersteller nun an der Flaschengröße.

Von Kathrin Werner, New York

Der Apotheker John Pemberton war morphiumsüchtig. Während des Bürgerkriegs hatte er sich die Schulter verletzt. Im Lazarett bekam er Morphium gegen die Schmerzen. Nach dem Krieg suchte er eine Alternative zu dem Opiat, und mischte in seinem Labor im Bundesstaat Georgia allerlei Substanzen zusammen: viel Zucker und auch Kokain. Mehr oder weniger zufällig mixte er einen Trank, der blubberte, gut schmeckte und frei von Drogen und Alkohol war. Der Name Coca-Cola war auch schnell gefunden, 1886 kam die Brause auf den Markt. "Irgendwann wird das mal ein Nationalgetränk", sagte Pemberton voraus. Er behielt recht. Kein Getränk steht so sehr für den American Way of Life. Coca-Cola, der Konzern, verkauft das Getränk heute in mehr als 200 Länder, die rot-weiße Marke ist rund 80 Milliarden Dollar wert. Die Beatles tranken Cola und Popstars wie Taylor Swift zeigen sich damit. Ein Problem macht dem Konzern allerdings zu schaffen: Das Zeug macht dick. Daran wollen die drei größten Anbieter Coca-Cola, Pepsi und Dr Pepper Snapple nun arbeiten. Sie haben sich öffentlich verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die Amerikaner bis 2025 ein Fünftel weniger Kalorien durch ihre Getränke zu sich nehmen sollen. Sie wollen kleinere Flaschen anbieten, mehr Geld in das Marketing für Diät-Cola stecken und die Menschen besser informieren. Den Konzernen dürfte es allerdings mehr um das eigene Image als um das Wohl der Bevölkerung gehen. In den vergangenen Jahren ist den Menschen bewusster geworden, dass die Brause dazu beiträgt, dass einer von drei Erwachsenen und eins von fünf Kindern in den USA zu dick ist. In einer Dose Coca-Cola stecken rund 40 Gramm Zucker, etwa zehn Teelöffel. Nach Empfehlungen der American Heart Association sollten Frauen nicht mehr als sechs und Männer nicht mehr als neun Teelöffel Zucker pro Tag konsumieren, um ihr Herz nicht zu schädigen. Auch die Beliebtheit von Diät-Getränken hat nachgelassen, seit Politik und Medien mehr über die Risiken der Zuckerersatzstoffe informieren.

Der Umsatz von Pepsi und Coca-Cola sinkt

In den USA und etlichen anderen Ländern haben Politiker bereits mehrfach versucht, die Konzerne zurückzudrängen. In Kalifornien steckt ein Gesetz fest, dass die Firmen zwingen würde, ihre Dosen und Flaschen mit Warnhinweisen zu versehen. In New York hat Ex-Bürgermeister Michael Bloomberg daran gearbeitet, besonders große Brause-Behälter zu verbieten, zum Beispiel die XXL-Becher in Kinos. Er ist allerdings am Widerstand der Menschen gescheitert, die sich gegängelt fühlten. Bislang haben sich die Unternehmen gegen jede Regulierung gewehrt. Ihre PR-wirksame Selbstverpflichtung wird von einer unabhängigen Prüffirma beobachtet. Ein Bruch hat allerdings keine Konsequenzen.

Pemberton konnte Coca-Cola nicht von seiner Morphiumsucht heilen. Er verarmte und verkaufte die Patente. Zwei Jahre nach seiner Erfindung starb er im Alter von 57 Jahren.

© SZ vom 25.09.2014/fie

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite