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Braunkohle:Ein Netz

Die Stillegung von Braunkohle-Kraftwerken könnte über eine Art Fonds laufen, in den die Konzerne RWE und Vattenfall ihre jeweiligen Sparten einbringen könnten.

Von Michael Bauchmüller

Die Braunkohle gilt schon ihrer großen Treibhausgas-Emissionen wegen als Auslaufmodell. Sollen die Klimaziele von Paris wahr werden, müssten auch Deutschlands Braunkohle-Kraftwerke mittelfristig in den Ruhestand. Wie das laufen könnte, das hat Michael Vassiliadis, Chef der Kohle-Gewerkschaft IG BCE, nun skizziert - über eine Art Braunkohle-Fonds, in den RWE und Vattenfall ihre jeweiligen Sparten einbringen könnten.

Sie würden Kraftwerke und Tagebaue eine Weile weiter betreiben, dann aber die Abwicklung übernehmen. Ähnliche Lösungen hatten die Energiekonzerne zuletzt auch für die endgültige Abwicklung der Atomenergie vorgeschlagen; sie fanden allerdings wenig Freunde. Stattdessen beschäftigt sich derzeit eine Kommission mit den Finanzfragen der Altlast. Am Montag vertagte sie ihre Arbeit um gut drei Wochen, mangels Lösung.

Im Kohle-Vorschlag der Gewerkschaft sollen die Betreiber eine garantierte Grundvergütung für ihre Kraftwerke erhalten, den Großteil der Braunkohle-Gewinne dann aber dem Fonds überlassen. Dieser übernähme dann die Rekultivierung der Tagebaue und andere Spätfolgen. Mindestens 25 Jahre, so Vassiliadis, sei die Braunkohle als "Übergangstechnologie" noch nötig. Das Bundesumweltministerium will in den nächsten 20 bis 25 Jahren aussteigen, die Grünen binnen 15 Jahren. Immerhin zeige sich die Gewerkschaft nun bereit zum Dialog, lobte die Grünen-Politikerin Annalena Baerbock. Allerdings wirke der Vorschlag eher wie eine Idee, sich von den Lasten freizukaufen.

© SZ vom 01.03.2016

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