Brauereien unter Druck Sturm im Bierglas

Steigende Kosten, weniger Absatz - die deutschen Brauereien stehen mächtig unter Druck. Nun wird wild über Fusionen spekuliert.

Von Silvia Liebrich und Stefan Weber

Nur wenige Tage vor Beginn des Münchner Oktoberfests herrscht Katerstimmung in der Brauereibranche. Zwar rechnen die Veranstalter des größten Bierfestes der Welt auch in diesem Jahr mit Besucher- und Absatzrekorden. Dies kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es der Branche schlecht geht. In Deutschland wird weniger Bier getrunken, und die hohen Kosten für Rohstoffe, Energie und Verpackungen schmälern die ohnehin knappen Gewinne. In einem solchen Umfeld haben Gerüchte Hochkonjunktur. Deren Inhalt kreist meist um dasselbe Thema: Wer sich mit wem zusammentun könnte, um der anhaltenden Krise zu trotzen.

Der Druck auf die Brauereikonzerne wächst.

(Foto: Foto: dpa)

Im Zentrum der Mutmaßungen steht auch der Paulaner-Eigner, die in München ansässige Brau Holding International (BHI). Mal heißt es, Mehrheitsgesellschafter Stefan Schörghuber wolle seine Beteiligung oder Teile davon verkaufen, etwa an Oetkers Radeberger-Gruppe. Dann ist wieder die Rede davon, er wolle den BHI-Miteigentümer, den niederländischen Heineken-Konzern, am liebsten ganz auszahlen, um allein das Sagen zu haben.

Kompromissloser Sanierer

Zu solchen Spekulationen will sich die BHI nicht äußern. Dafür sorgte der Konzern, in dem auch Beteiligungen an Karlsberg, Kulmbacher oder Fürstenberg gebündelt sind, in anderer Hinsicht für Klarheit. Der seit knapp einem Jahr vakante Posten des BHI-Geschäftsführers wurde nun neu besetzt. Eine Überraschung ist die Ernennung von Hans-Peter Hoh aber nicht. Er war Finanzvorstand in Schörghubers Imperium, das auch Geschäfte mit Immobilien, Hotels und Flugzeugleasing macht. Schörghuber, der die BHI vorübergehend selbst leitete, wechselt an die Spitze des Aufsichtsrats.

In der Branche haftet Hoh der Ruf des kompromisslosen Sanierers an. Er gilt als Antriebskraft hinter dem Rauswurf des Kulmbacher Brauereichefs vor wenigen Wochen, der in der Branche für Wirbel sorgte. Bei der BHI will man die Berufung Hohs als Bekenntnis zum Geschäftsmodell verstanden wissen. "Die Zusammenarbeit mit Heineken funktioniert insgesamt hervorragend", betont ein Sprecher. Hohs Aufgabe sei es, die regionalen Brauereien im Verbund stärker zu integrieren. "Wir müssen die Synergien heben, wo es nicht die Marke und das Produkt betrifft", sagte er. Dies gelte etwa für Ausgaben beim Rohstoffeinkauf.

Fleißige Biertrinker

Die Radeberger-Gruppe, der neben anderen Kandidaten auch ein Interesse an der BHI nachgesagt wird, gibt für dieses Jahr eine düstere Prognose für hauseigene Marken wie Jever, Schöfferhofer und Berliner Kindl ab. Ulrich Kallmeyer, der die Nummer eins unter den deutschen Brauereien in Deutschland leitet, prognostiziert für 2008 ein Minus von etwa vier Prozent. Damit würde der Markt stärker schrumpfen als im Jahr zuvor, da lag der Rückgang bei drei Prozent.

Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von zuletzt 111,7 Litern im Jahr zählen die Bundesbürger zwar nach wie vor zu den weltweit fleißigsten Biertrinkern. Aber anders als in Osteuropa, Asien oder Südamerika, wo der Bierabsatz kräftig steigt, wird der Konsum in Deutschland voraussichtlich auch in den nächsten Jahren zurückgehen. Kallmeyer hält es für möglich, dass der Pro-Kopf-Verbrauch in fünf Jahren weniger als 100 Liter pro Jahr betragen wird.

In diesem Umfeld wächst der Druck auf die Brauereien, ihre Kostenstruktur zu überprüfen und ihren Vertrieb anzukurbeln. Ein geeignetes Mittel dazu ist häufig der Kauf eines Mitbewerbers. Wer es sich leisten kann, prüft deshalb besonders intensiv, mit wem er sich verstärken könnte. Beispiel Radeberger. Bis 2010, so betont Kallmeyer immer wieder, möchte der zur Oetker-Gruppe gehörende Branchenführer seinen Marktanteil von heute 15 Prozent auf mindestens 20Prozent erhöhen.

Geld für Anheuser-Kauf

Wo sich Radeberger gerne verstärken würde, verriet Inhaber August Oetker kürzlich in einem Interview: in Süddeutschland. Gelegenheit gibt es dort nach Einschätzung von Branchenkennern nicht allzu viele. Sie halten es jedoch für möglich, dass der belgisch-brasilianische Inbev-Konzern die eine oder andere Marke aussortieren könnte, etwa Löwenbräu oder Spaten. Denn die Münchner Marken spielen im Portfolio von Inbev keine Rolle. Zudem benötigt der Konzern Geld für die Übernahme des US-Rivalen Anheuser Busch - da kommt jeder Euro recht. Deutlich zurückgewiesen hat Inbev dies bislang nicht. "Kein Kommentar", meint ein Sprecher dazu.

Andere bedeutende Marken wie Bitburger, Veltins oder Warsteiner sind für Interessenten wegen der dahinter stehenden Familien bisher uneinnehmbare Festungen. Anders liegen die Dinge bei Krombacher. Die lange erfolgsverwöhnte, bundesweit meistverkaufte Marke, verzeichnete im ersten Halbjahr 2008 einen Absatzrückgang. In der Branche kursieren Gerüchte, Bernhard Schadeberg, der Chef der Familienbrauerei, liebäugele mit einem Verkauf an den Heineken-Konzern - was Krombacher aber energisch dementiert.

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