bedeckt München 17°
vgwortpixel

Brauereien:Flüssig bleiben

Beck's feiert 140. Geburtstag

Rund fünf Cent pro Flasche macht die Biersteuer aus. Brauereien können sie nun später zahlen.

(Foto: Carmen Jaspersen/picture alliance/dpa)

Kein Fußball, keine Festivals: Brauereien kämpfen mit der Corona-Krise. Bund und Länder helfen ihnen jetzt.

Die Stundung der Biersteuer soll Brauereien in der Corona-Krise einen besseren finanziellen Spielraum verschaffen. Die Biersteuer steht den Ländern zu und betrug 2019 nach Angaben des Bundesfinanzministeriums etwa 650 Millionen Euro. Bundesfinanzministerium und die Finanzministerien der Länder haben sich darauf geeinigt, dass Brauereien die Steuer später zahlen können, teilte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums mit. Das soll "in der derzeitigen schwierigen Lage die Liquidität von Brauereien verbessern und Arbeitsplätze schützen". Die Stundungsmöglichkeit flankiere die anderen Maßnahmen der Bundesregierung, die auch "unseren sozialen Zusammenhalt bewahren" sollen. Stundungsanträge könnten bis zum 31. Dezember 2020 für bis zu diesem Zeitpunkt bereits fällige oder fällig werdende Steuern gestellt werden. "Die Hauptzollämter sollen den Brauereien zur Vermeidung unbilliger Härten entgegen kommen. Auf die Erhebung von Stundungszinsen kann in der Regel verzichtet werden", sagte der Sprecher.

Der Deutsche Brauer-Bund nannte die Stundungsmöglichkeit ein wichtiges Signal für die Branche, die stark unter Druck stehe. "Es wird jetzt darauf ankommen, dass die Brauereien die Steuerstundung rasch und unbürokratisch in Anspruch nehmen können", sagte Hauptgeschäftsführer Holger Eichele. Er betonte, dass es sich dabei nicht um Zuschüsse handele. Viele Brauereien stünden mit dem Rücken zur Wand, seit der Export weitgehend zum Erliegen gekommen sei, Veranstaltungen abgesagt werden und Gaststätten schließen mussten.

Viele Brauereien werden nicht an der Börse gehandelt. Aber es gibt auch große Konzerne, die Bier herstellen, allen voran Anheuser-Busch Inbev, der weltweit größte Braukonzern, zu dem beispielsweise die Marke Beck's gehört. An der Euronext Brussels - der Konzern hat formell seinen Sitz in Belgien - war der Kurs der Aktie Mitte Februar noch mehr als 67 Euro wert. Nach Ausbruch der globalen Corona-Pandemie ist sie deutlich gefallen und pendelte zuletzt um 40 Euro. Für die größte deutsche Privatbrauerei Krombacher ist die Inanspruchnahme der Stundung der Biersteuer derzeit kein Thema. "Wir werden pünktlich zahlen", sagte ein Sprecher. Warsteiner wiederum prüfe "diese Möglichkeit zum gegenwärtigen Zeitpunkt", heißt es. Veltins sieht trotz der veränderten Marktlage keine Notwendigkeit, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen, teilt das Unternehmen mit. Für Veltins mache die Biersteuer pro Jahr einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag aus.

Die Höhe der Biersteuer richtet sich nach dem Stammwürzegehalt des Bieres. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums beträgt die Steuer bei einem durchschnittlich starken Bier 0,94 Euro pro Kasten, bei 20 Halbliterflaschen.

© SZ vom 07.04.2020 / dpa, SZ
Zur SZ-Startseite