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Braucht man das?:Ideapad Duet von Lenovo

Das Ideapad Duet kostet nicht viel. Dafür müssen die Nutzer allerdings auch auf manches verzichten.

(Foto: oh)

Das Chromebook ist vergleichsweise günstig. Doch ein Notebook kann es nicht ganz ersetzen.

Von Simon Hurtz

Wer Lenovo mit Thinkpad-Laptops verbindet, erlebt in den ersten Minuten mit dem Ideapad Duet drei Gefühlszustände. Neugierde: Oh, was für ein ungewöhnliches Gerät! Irritation: Diese Windows-Version sieht seltsam aus. Ernüchterung: Was hat sich Lenovo bei der Tastatur gedacht? Wie, wirklich nur ein USB-Anschluss? Und warum ist dieses Ding so verdammt langsam?

Auf alle Fragen gibt es eine Antwort: Das Duet ist ein Chromebook für 329 Euro. Natürlich haben Thinkpads bessere Tastaturen und schnellere Prozessoren, aber sie kosten auch ein Vielfaches. Auf dem Duet läuft Googles Betriebssystem Chrome OS. Im Mittelpunkt stehen der Chrome-Browser und Googles Dienste, außerdem lassen sich Android-Apps installieren. Vollwertige Windows-Programme kann man aber nicht nutzen. Schon allein deshalb eignet sich das Duet eher als Zweitgerät.

Diesen Zweck erfüllt es aber nahezu perfekt. Niemand wird mit dem Duet Romane tippen, aber für E-Mails oder Texte wie diesen Kurztest reichen die kleinen Tasten. Die Tastatur lässt sich abnehmen, und aus dem Laptop wird ein Tablet. Dank hellem Full-HD-Display und soliden Lautsprechern machen Videos Spaß. Mit dem Kickstand auf der Rückseite kann man stufenlos den Winkel des Bildschirms verstellen. Das Alugehäuse und die hochwertige Verarbeitung stünden manch doppelt so teurem Gerät gut zu Gesicht.

Der Preis zwingt aber zu Kompromissen: Kopfhörerbuchse, SD-Kartenleser und LTE-Modul fehlen. Im Inneren steckt ein betagter Mediatek-Prozessor. Tab-Akrobatik und Multitasking? Zäh. Aufwändige Videobearbeitung und Spiele? Unmöglich. Aber dafür ist das Duet auch nicht gedacht. Es startet in wenigen Sekunden, läuft bis zu zehn Stunden und unterstützt mehrere Benutzer, die sich nacheinander anmelden können.

Auf einem iPad ist das nicht möglich. Den Vergleich mit dem Apple-Gerät verliert das Duet dennoch. Lenovo kann aber nichts dafür. Erstens kostet ein iPad mit Hülle und Tastatur deutlich mehr. Zweitens liegt Apples größter Vorteil in der Software, auf die Lenovo keinen Einfluss hat. iPadOS ist ausgereifter als Chrome OS, es gibt mehr Apps und weniger Kinderkrankheiten. Wenn Google Geräte mit Chrome-OS als Alternative zu iPads und Windows-Geräten etablieren will, muss die Plattform erwachsen werden. Doch was die Hardware angeht, ist das Ideapad Duet ein guter Anfang.

© SZ vom 22.07.2020
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