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Brandenburg:Neues aus der Tesla-Straße

Umsiedlung von Tieren auf dem Gelände der Tesla-Fabrik

Letzte Kiefer: Auf dem Gelände der Teslafabrik überlebte ein Baum, weil in ihm eine Fledermaus haust.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)

Elon Musk verzichtet auf die Batteriefertigung, dafür sollen mehr Bäume einer Teststrecke weichen.

Von Jan Heidtmann, Berlin

Elon Musk, das ist ja gemeinhin bekannt, liebt markige Worte. "Giga Berlin is gonna rock", twitterte der Tesla-Chef kürzlich über sein derzeit größtes Bauprojekt, die vierte Autofabrik des Unternehmens. Aus der Perspektive von Musk ist seine Euphorie verständlich, hat Tesla doch gerade Toyota als wertvollsten Autohersteller der Welt abgelöst. Zwar ein paar Nummern kleiner, aber trotzdem überraschend ist auch, dass es an dem neuen Standort im brandenburgischen Grünheide bei Berlin nun eine Tesla-Straße geben wird. Die Gemeindevertreter hatten die Umbenennung in der vergangenen Woche beschlossen.

Aus der Perspektive der Bauarbeiten vor Ort wirkt Musks Tweet jedoch recht euphemistisch. Das US-Unternehmen war in den vergangenen Monaten gezwungen, seine Baupläne umfassend zu überarbeiten. Seit diesem Donnerstag liegen die neuen Planungen nun öffentlich aus, damit sich die Bürger ein Bild davon machen können. Zwei Veränderungen fallen in den überarbeiteten Vorlagen besonders auf: An dem neuen Standort sollen keine Batterien mehr gefertigt werden und auch keine Kunststoffteile. Tesla will damit vermutlich auf die Kritik von Umweltschützern eingehen, die unter anderem befürchten, die Autoproduktion würde zuviel Wasser benötigen. In der neuen Fassung verbraucht das Werk nun rund ein Drittel weniger als zuvor geplant. Außerdem soll es eine eigene Werksfeuerwehr geben, das Fabrikgebäude schrumpft von 24 Metern Höhe auf jetzt gut 15 Meter. In den Unterlagen gibt Tesla zudem an, statt der geplanten 155 Hektar Wald nun gut 190 Hektar roden zu wollen. Grund dafür ist offenbar eine Teststrecke für die Autos.

Rund 500 000 Exemplare des Modell Y sollen in Grünheide gebaut werden

Die Menschen in Grünheide, aber auch jeder andere Interessierte haben nun bis Anfang August Zeit, Kritik an den Tesla-Plänen zu formulieren. In der ersten Runde im vergangenen Frühjahr hat es 370 Einwendungen gegeben, der Termin zur Aussprache musste jedoch wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden. Er soll nun voraussichtlich am 23. September stattfinden. Anders als beim letzten Mal, können die Unterlagen auch Online beim Brandenburgischen Landesamt für Umwelt eingesehen werden.

Bei allen Korrekturen macht das US-Unternehmen aber auch deutlich, dass es von seinem ehrgeizigen Plan, im nächsten Jahr mit der Produktion zu beginnen, nicht abrückt: "Die Inbetriebnahme der Anlage ist im Juli 2021 vorgesehen." Rund 500 000 Exemplare des Modell Y sollen dann in Grünheide gebaut werden, 12 000 neue Arbeitsplätze könnten dafür entstehen. Da die Baugenehmigung für das Werk noch nicht erteilt ist, hantiert Tesla seit Monaten mit Ausnahmegenehmigungen. So durfte schon ein Drittel des Waldes auf dem Baugrundstück gerodet werden, jetzt haben die Arbeiten am Fundament begonnen. Anders könnte der Autobauer seinen Zeitplan nicht halten. Sollte die Baugenehmigung jedoch nicht erteilt werden, müsste Tesla den Urzustand wiederherstellen.

Die Kritik am Vorgehen von Tesla ist jedoch überschaubar. Das liegt auch daran, dass das Unternehmen großzügige Kompensationen für den gerodeten Wald angeboten hat. Jetzt, da es in Grünheide sogar eine eigene Straße bekommt, soll zudem der deutsche Sitz hier angesiedelt werden - in der Teslastraße Nr. 1.

© SZ vom 03.07.2020

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