Brandbrief an Ratingagenturen:Deutsche Banken revoltieren gegen Standard & Poor's

Ärger mit der Politik haben die Ratingagenturen schon, und nun kommt aus der Wirtschaft immer mehr Kritik: Die deutsche Bankenbranche beschwert sich über hohe Gebühren und Intransparenz beim Marktführer Standard & Poor's. Die Proteste könnten die Agentur in ernsthafte Schwierigkeiten bringen.

Die deutsche Wirtschaft rebelliert gegen eine Ratingagentur: In einem Protestbrief an Standard & Poor's kritisieren nun auch die Banken deren Preispolitik. "Die intransparenten Gebührenerhöhungen von S&P sind aus Sicht unserer Mitglieder nicht mehr akzeptabel", heißt es in dem Schreiben der drei deutschen Verbände für die privaten, genossenschaftlichen und öffentlich-rechtlichen Banken. Sie fordern, die Gebührenordnung aller Ratingfirmen zu veröffentlichen, damit sich die Herausgeber von Wertpapieren an ihnen orientieren können.

Die Ratingagenturen behaupten indes, ihre Gebühren völlig transparent zu gestalten. So existiere bei S&P nur eine Gebührentabelle. "Man hat aber den Eindruck, dass es für jeden Kunden eine eigene Tabelle gibt", zitiert die Financial Times Deutschland einen Insider. Den Unternehmen erschließe sich deswegen häufig nicht, wie sich die Preise zusammensetzen.

Bereits im Frühjahr warfen zwölf deutsche Großunternehmen der amerikanischen Ratingfirma vor, ihre Marktmacht zu missbrauchen und überhöhte Gebühren zu fordern.

Die erneuten Proteste könnten den Ratingfirmen ernsthaft schaden: Einerseits würden transparente Gebühren ihre Preismacht brechen und ihr Gewinnspanne schmälern. Andererseits könnten die Kartellbehörden sich für Standard & Poor's und Co. interessieren. Schon im ersten Brandbrief sprachen die Kritiker aus den Großunternehmen von einem "monopolistischen Markt".

Die Ratingagenturen S&P, Fitch und Moody's kontrollieren die Kreditwürdigkeit von weltweit etwa 95 Prozent des Bewertungsmarktes. Viele Unternehmen, darunter Banken und Staaten, lassen sich bewerten, um am Markt günstiger an Kapital zu kommen. Einige Großkonzerne zahlen dafür laut FTD Hunderttausende Euro Gebühren pro Jahr. Größere Banken, die öfter Anleihen und Schuldpapiere emittieren, zahlen angeblich Beträge im "einstelligen Millionenbereich".

© Süddeutsche.de/skes/jab
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